Literatur, Textstelle

Nennen wir es Liebe.

[…] Ich betrachtete sie zwei Stunden lang und betete zu Gott (das einzige Mal in meinem Leben), dass ich sie wie ein Mensch lieben könnte, nicht wie dieser Roboter, der ich bin, wissend, dass ich nicht erhört werden würde. Trotzdem lag ich diesem Gott weiterhin in den Ohren, denn ich wusste haargenau, dass ich hier und jetzt das Wunderschönste in meinem Leben erlebte, das war kein Vorschuss auf ein Glück, sondern schlicht und ergreifend der Höhepunkt meiner Seligkeit, und entsprechend selig saß ich zwei Stunden lang da und blickte auf meine schlafende Frau (denn sie war von dem Moment an meine Frau, als sich ihr Haar an ihrem Hals in das Pfötchen einer Schmusekatze verwandelte), und ich liebte sie von ganzem Herzen mit meinen Augen. […]

Martin Montag in „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir (Rowohlt)

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