#FBex, Fundstück

Die sind doof. #FBex

02. Juli 2011

© Stephan Flad | MDR SPUNTIK, Halle (Saale)

© Stephan Flad | MDR SPUNTIK, Halle (Saale)

LYDIAS LESESTOFF & QUERGELESEN, meine Literatur-Rubriken bei MDR SPUTNIK gibt es seit diesem Frühjahr nicht mehr. Oh, wir stellen noch immer Bücher vor, habt keine Angst. Neben den aktuellen Buchtipps, die regelmäßig unregelmäßig im Programm auftauchen, findet ihr auf sputnik.de auch meine ganzen „alten“ Texte und Audios unter LITERATUR. U.a. …

Julala Kiwikiwi Es fehlt aber sehr!

Lydia Herms du bist lieb. mir auch.

Julala Kiwikiwi An dieser Stelle auch ein DANKE für die vielen Insipirationen, die hier nun im Regal stehen und so schön zu lesen waren

Lydia Herms SEUFZ. gern!

Fran Ziska ja. die bei sputnik sind doof. wenn ich nicht weiß, was ich lesen soll, frag ich Lydia!

 

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Allgemein, Drama

Ferienphänomen.

Sommerpause. Ich bin nicht im Urlaub gewesen, nein, das nicht, aber zwei Drittel meiner Einnahmequellen ruhten. Oder pausierten. Das war so abgemacht; sie – die Redaktionen – wollten Geld sparen, ich – die Autorin – sollte mich ausruhen. Ich hatte somit frei. In dieser Zeit las ich trotzdem schöne Bücher, und arbeitete trotzdem woanders für Geld, frei und willig. Und dennoch fühlt sich die aktuelle Woche an wie neu, wie: nach den Ferien.

 

Sie ist schlimm.

 

Seit vielen Jahren beschäftigt mich das Ferienphänomen. Erschöpft und leer gerockt erwartete ich schon vor mehr als 20 Jahren die Ferien. Ich erinnere mich an die 5., 6. Klasse, als ich bereits Tage vor dem Ferienbeginn fantasierte, wie ich einfach nur so rumliegen würde, ganz still. Ob ich mir das auch schon zu Grundschulzeiten wünschte, weiß ich nicht. Im Gegensatz zu vielen meiner Bekannten und Freunde kann ich mich nur an weniges erinnern, das vor dem Wechsel ans Gymnasium liegt. Vielleicht hatte ich bereits damals schon kein Gefühl für Zeit. Oder ich hab‘ mich beim Erinnern einfach noch nicht angestrengt. Ich freute mich jedenfalls und sagte mir: Lydia, nach den Ferien ist alles wieder gut.

Und dann kamen die Ferien. Und ich wusste, alles ist gut. Und dann kam der erste Tag nach den Ferien, auf den ich mich ebenso freute, wie ich mich auf den ersten Ferientag gefreut hatte. Und dann die Ernüchterung: es war gar nicht alles gut.

 

Als wären niemals Ferien gewesen.

 

Ich war sofort erschöpft, auch traurig, nicht immer, oft. Immer wieder. Von Jahr zu Jahr. Ich beendete die Schule ziemlich gut mit dem Abitur, begann umgehend mit 18 ein Studium. Und da dann eine ähnliche Erfahrung. Ich studierte. Ich war erschöpft. Ich freute mich auf die Pausen, und vor allem, auf die Zeit nach den Pausen, hoch motiviert, angriffslustig, neu. Und dann war alles weg, einfach so, meine Pläne, meine Motivation, die Lust, das Licht. Das nenne ich Ferienphänomen…

 

Erwarte ich zuviel von mir und von den „neuen“ Tagen?
Schließe ich mit Altem nicht ordentlich ab?
Erhoffe ich mir Veränderung, ohne selbst etwas ändern zu müssen?
Möchte ich besser funktionieren?
Was sind richtige Ferien bzw. Pausen? 
Wie erkläre ich das meiner Liebe?

 

Vor zwei Jahren erschien eine brand eins-Ausgabe mit dem Schwerpunkt Nichtstun. Die hatte ich mir damals gekauft, aber nur sporadisch gelesen. Ich suche sie heraus. Mein Motor läuft noch. Ich lese. Und finde. Ich habe ganz viel zu tun, Dinge, auf die ich mich gefreut habe, noch immer freue. Eine Freude, die ich mir nicht nehmen lassen möchte. Ich muss es klären. Ich warte nicht.

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Funk, Literatur

Hörbar Herms.

Um einen Text für einen Radiobeitrag verfassen zu können, muss ich leiden. Oder anders herum. Es ist tatsächlich so, dass die wenigsten meiner Beiträge einfach so entstehen; sitzen, schreiben, produzieren. Nein, die meisten meiner Beiträge kosten mich viel Kraft und Zeit. Ich verfluche sie, will alles hinschmeißen, einen Job an der Kasse annehmen, um nicht soviel denken zu müssen. Ich vergesse zu essen, zu trinken, zu ruhen.

 

„Es ist alles in meinem Kopf. Ich krieg’s nur nicht raus.“.

 

Die Ursachen dafür müssen wir an anderer Stelle besprechen, werte Herrschaften. Hier möchte ich auf die Produkte dieser kräftezehrenden Angelegenheit hinweisen. Sie machen mich stolz, denn in jedem dieser Beiträge steckt ein bisschen Herms. Sie sind, wie ich bin. Unsachlich, schrullig und bunt. Und sie sind nachhörbar. Vielleicht für immer. Die Liste wird wachsen. Und niemals chronologisch aufgebaut sein. Deshalb schreibe ich das Sendedatum dazu. Betrachten wir es als öffentliches Archiv, als die kleine Hörbar Herms. Viel Spaß beim Hören – und beim Lesen.

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Allgemein, Menschen

Eine Bitte.

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Es ist mehr als das. Es ist eine Hoffnung, ein Sehnen, ein Elend. Das vergangene Jahr war nicht schlecht, iwo. Es war  u n f a s s b a r  anstrengend. Weil ich nicht Nein! sagen konnte, weil ich nicht Tschüss! sagen wollte, weil ich oft den Überblick verlor – und weil ich meine Liebe fand.

Ich gestehe: ich würde gern auf RESET drücken, oder ein paar LAYER löschen; zumindest die, auf denen ich unkonzentriert und zusammenhanglos gekliert habe. Auf denen ich Dinge verewigte, für die ich noch bis in alle Ewigkeit geohrfeigt werden müsste. Verbal allenfalls. Mit Schampieken. Oder mit Geschrei. Irgendwie so. Das zu erklären, ist nicht einfach. Es ist die Wahrheit, dass ich erst weine und dann lache. Das erklärt vielleicht, warum ich in diesem Text erst um Erlösung bitte – und dann schreibe:

 

Ich bin glücklich.

 

Ich habe das Jahr 2013 geschafft, ohne hinzuschlagen und zu verbluten. Das ist gut. Unterwegs traf ich einen Mann, der mich liebt. Das kann jedem mal passieren, auch mir, ja, aber nicht so. Er ist, was fehlte. Und mehr. Das kann kein Zufall sein!

Auch nicht die Begegnung mit einer Mode-Designerin im Zug von Halle (Saale) nach Berlin am 2. Weihnachtsfeiertag. Sie trug ihren 5 Monate alten Sohn auf dem Arm, und wir mussten stehen, weil nirgends freie Plätze zu finden waren. Als dann endlich doch, waren uns diese zu weit auseinander; wir wollten reden. Das Baby sah und hörte uns entspannt dabei zu. Nach einer knappen Stunde nicht mehr. Es quengelte. Es weinte. Ich zog Grimassen – und es lachte. Erst Weinen, dann Lachen. Ich reagierte, obwohl ich das Phänomen schon mehrmals bei Babys beobachtet hatte, überrascht. Noch mehr, als mir die Mitreisende eine Theorie erklärte, nach der Lachen aus dem Weinen entsteht, nämlich dann, wenn Entspannung eintritt, das Kind erkennt, dass es doch gar nicht so dramatisch ist. Und ich lache jetzt.

 

Es ist mehr als das.

 

Ich habe viel gearbeitet in den vergangenen Monaten und Jahren. Ich nahm Aufträge an, obwohl sie schlecht bezahlt wurden. Ich sagte mir: „Ich brauche das Geld.“, und sie sagten mir: „Mehr geht wirklich nicht, Lydia.“. Ich bin müde vom vielen Anstrengen. Selbst wenn ich ruhe, träume ich von dieser Anstrengung. Was ich verdiene, erhalte ich nicht. Jedenfalls nicht immer. Im neuen Jahr wird es anders werden.

Ich gehe, wenn sie mich nicht angemessen bezahlen, zu denen, die es tun. Die gibt es, denn ich habe durchaus schon Auftraggeber gefunden, die angemessen zahlen. Und wenn es doch eng wird, dann gehe ich ganz neue Wege, ohne Radio. So sage ich es mir. Ich habe viele Ideen. Wenn ich Hilfe zulasse, kann ich sie auch umsetzen. Ich weiß es. Und ich weiß auch, dass ich nicht die einzige freie Autorin bin, der es so geht. Das ist meine Botschaft: Lasst Euch das nicht gefallen! Ja, es wird andere geben, die Eure Jobs machen, wenn Ihr sie nicht mehr macht, weil Leistung und Honorar in keinem akzeptablen Verhältnis stehen. Geht trotzdem. Glaubt an Euch.

 

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