Allgemein, Minusgeld

Für’s Leichtsein.

Ich war 36 – und konnte nicht mit Geld umgehen. Ich bin 37 – und mit meinem einhundert-Beitrag für Deutschlandfunk Nova über mein Leben im Dispo für den Ernst-Schneider-Preis der Deutschen Wirtschaft nominiert. Das freut und ehrt mich. Hinter mir liegt eines der krassesten Jahre meines Lebens. An dieser Stelle möchte ich mich zu einer knappen Behauptung hinreißen lassen: Hab’ schon gewonnen, denn ich bin im Plus. Leider noch nicht stabil genug, um mir eine Reise nach Nürnberg am 15. Okt. nebst Vollverpflegung und Frisörbesuch anlässlich der Preisverleihung leisten zu können.

Vor zwei, drei Jahren hätte ich blind gebucht.

Das Radiostück entstand mit Unterstützung von einhundert-Redakteurin Julia Rosch und DLF-Produzent Uwe Breunig.

Istanbul, März 2018 | Foto: Lydia Herms

Istanbul, März 2018 | Foto: Lydia Herms

Dieses Foto symbolisiert einen Meilenstein in den mittlerweile fünfzehn zurückliegenden Monaten, also, seitdem ich am 15. Juni 2017 bei der Schuldnerberatung gewesen bin, mit einem Kontostand von minus 7.500 EUR. Ich bin erstmals wieder ohne Schuldgefühle verreist, nach Istanbul, für eine knappe Woche, auf Einladung zwei großherziger Menschen, die mich nicht kannten, aber dank meiner Offenheit im Radiobeitrag zu sich einluden und meine Reisekosten bezahlten. Sie sagten, ich hätte ihnen auch geholfen. Das war im März dieses Jahres. Noch heute, ein halbes Jahr später, denke ich oft an die Reise zum Bosporus. Ich erinnere mich an mich. Ich war ganz leicht. Im Grunde bin ich geflogen.

Der Preis ist dotiert, ja, hoch. Das ist ein Problem. Meine Beziehung zu Geld ist alles andere als entspannt. Den Preis nicht zu erhalten, wäre ein Problem. Den Preis zu erhalten, wäre ebenso problematisch. Ich neige zum Bunkern; ein ungewohntes Verlangen. Gleichzeitig möchte ich mich belohnen. Auf den Punkt gebracht: Ich will ständig etwas kaufen. Ich will aber auch jeden Cent sparen. Das überfordert mich. Die Programmierung läuft noch. Nahezu täglich rede ich mindestens einmal davon, dass dies und das so und so viel kostet. Ich kann es nicht abstellen; nervt voll. Und ich empfinde Scham. Auch daran arbeite ich.

An vielen Tagen ist es nicht mehr so schlimm. Heute, zum Beispiel.

Gebrauchen könnte ich das Preisgeld aber trotzdem sehr gut – für kommende Projekte, für dürre Zeiten, für’s Leichtsein.

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Funk, Minusgeld

Plötzlich Shortlist.

Mein Stück „7.500 Euro minus – das war das Limit“ für das Featureformat einhundert bei Deutschlandfunk Nova steht auf der Shortlist des Journalistenpreises der deutschen Wirtschaft 2018, in der Kategorie Innovation / Unterhaltungssendung, in der Beiträge aus Internet, Print, Hörfunk und Fernsehen konkurrieren, wie hier nachzulesen ist. Der Ernst-Schneider-Preis „wird von den Industrie- und Handelskammern vergeben. Er zeichnet journalistische Beiträge aus, die wirtschaftliche Zusammenhänge allgemein verständlich vermitteln und durch Relevanz, Recherche sowie Erzähltechnik herausragen.“, steht da weiter. Das ehrt mich.

Ich freue mich sehr, schon jetzt. Bei der Arbeit an dem gut zwanzig Minuten langen Stück wurde ich von Julia Rosch (Redaktion) und Uwe Breunig (Produktion) begleitet und unterstützt. Es war das zweite Mal, dass ich mit beiden arbeiten durfte. Wieder war es anstrengend und aufregend. Wieder war es bereichernd und schön. Ich zehre noch heute davon. Ich verneige mich – und danke.

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