Allgemein, Drama

Ferienphänomen.

Sommerpause. Ich bin nicht im Urlaub gewesen, nein, das nicht, aber zwei Drittel meiner Einnahmequellen ruhten. Oder pausierten. Das war so abgemacht; sie – die Redaktionen – wollten Geld sparen, ich – die Autorin – sollte mich ausruhen. Ich hatte somit frei. In dieser Zeit las ich trotzdem schöne Bücher, und arbeitete trotzdem woanders für Geld, frei und willig. Und dennoch fühlt sich die aktuelle Woche an wie neu, wie: nach den Ferien.

 

Sie ist schlimm.

 

Seit vielen Jahren beschäftigt mich das Ferienphänomen. Erschöpft und leer gerockt erwartete ich schon vor mehr als 20 Jahren die Ferien. Ich erinnere mich an die 5., 6. Klasse, als ich bereits Tage vor dem Ferienbeginn fantasierte, wie ich einfach nur so rumliegen würde, ganz still. Ob ich mir das auch schon zu Grundschulzeiten wünschte, weiß ich nicht. Im Gegensatz zu vielen meiner Bekannten und Freunde kann ich mich nur an weniges erinnern, das vor dem Wechsel ans Gymnasium liegt. Vielleicht hatte ich bereits damals schon kein Gefühl für Zeit. Oder ich hab‘ mich beim Erinnern einfach noch nicht angestrengt. Ich freute mich jedenfalls und sagte mir: Lydia, nach den Ferien ist alles wieder gut.

Und dann kamen die Ferien. Und ich wusste, alles ist gut. Und dann kam der erste Tag nach den Ferien, auf den ich mich ebenso freute, wie ich mich auf den ersten Ferientag gefreut hatte. Und dann die Ernüchterung: es war gar nicht alles gut.

 

Als wären niemals Ferien gewesen.

 

Ich war sofort erschöpft, auch traurig, nicht immer, oft. Immer wieder. Von Jahr zu Jahr. Ich beendete die Schule ziemlich gut mit dem Abitur, begann umgehend mit 18 ein Studium. Und da dann eine ähnliche Erfahrung. Ich studierte. Ich war erschöpft. Ich freute mich auf die Pausen, und vor allem, auf die Zeit nach den Pausen, hoch motiviert, angriffslustig, neu. Und dann war alles weg, einfach so, meine Pläne, meine Motivation, die Lust, das Licht. Das nenne ich Ferienphänomen…

 

Erwarte ich zuviel von mir und von den „neuen“ Tagen?
Schließe ich mit Altem nicht ordentlich ab?
Erhoffe ich mir Veränderung, ohne selbst etwas ändern zu müssen?
Möchte ich besser funktionieren?
Was sind richtige Ferien bzw. Pausen? 
Wie erkläre ich das meiner Liebe?

 

Vor zwei Jahren erschien eine brand eins-Ausgabe mit dem Schwerpunkt Nichtstun. Die hatte ich mir damals gekauft, aber nur sporadisch gelesen. Ich suche sie heraus. Mein Motor läuft noch. Ich lese. Und finde. Ich habe ganz viel zu tun, Dinge, auf die ich mich gefreut habe, noch immer freue. Eine Freude, die ich mir nicht nehmen lassen möchte. Ich muss es klären. Ich warte nicht.

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Literatur, Termin

Zwergenkacke.

Ich habe es immer gewusst: Müsli ist nicht einfach nur Müsli, also wild zusammengeschüttete Körnerei, aus Schalen und Hülsen und wasweißich herausgefriemelt. Nee, Müsli ist Zwergenkacke. Dafür gibt es einen Beweis in Buchform. Finn-Ole Heinrich hat’s herausgefunden und aufgeschrieben. Rán Flygenring hat’s geglaubt und illustriert. Nachles- und anguckbar ist die unfassbare Kackerei in dem wundervollen Kinderbuch „Frerk, du Zwerg“.

 

Darin geht es um den etwas klein geratenen, höchst altmodisch gekleideten und recht einsamen Jungen Frerk. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als einen Hund. Doch er hat nur eine kreischende Mutter und einen schweigsamen Vater. Was Frerk findet, ist ein Ei – und für kurze Zeit fünf schräge Freunde …

 

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„Frerk, du Zwerg“ wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 ausgezeichnet, verdient, tausendfach.

 

„Diese anarchische Phantasiegeschichte könnte nicht kinderbuchhafter sein: schwungvoll, mit Humor, Mutterwitz und Nachdenkstoff. Der sprachgewandte, fabulierlustige und semantisch kreative Text Heinrichs ruft beim Vorlesen wahre Lachstürme bei Kindern hervor und animiert sie zu eigenen Sammlungen schöner Wörter und Sprachverdrehungen.“,

so die Jury.

 

Es ist wahr! Gemeinsam mit Finn habe ich heute Vormittag eine Lesung im Literaturhaus Leipzig bestritten, ich moderierte – und Finn las, vor 90 Grundschülern. Die hatten Spaß! Ich auch.

 

„Frerk, du Zwerg“ von Finn-Ole Heinrich & Rán Flygenring
96 Seiten, 16,00 EUR, bloomsbury bzw. arsEdition
Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich, von Finn gelesen.

 

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