#FBex, Fundstück

Bilder meiner Freundin. #FBex

18. Aug. 2011

Ein kleines lesbares Interview mit Grit Siwonia, die, die es schaffte, mich, wirklich mich zwischen vier Ecken zu bannen, so, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würde sich nichts bewegen, nichts stören. TEXT: „Emotionen kann man nicht retuschieren.“

 

NACHTRAG:

© Grit Siwonia | Frühjahr 2011, Berlin Kreuzberg

© Grit Siwonia | Frühjahr 2011, Berlin Kreuzberg

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#FBex, Allgemein

Willkommen! #FBex

2015. Ich wollte Dich mit viel Text und Tamtam begrüßen. Das klappt jetzt nicht, so am Stück. Ich halte Dich auf dem Laufenden über meine Pläne, ich versprech’s. Aber ich muss jetzt ganz viel tun.

Wie immer? Jaja, wie immer, aber anders, und mehr, und überhaupt, was erlaubst’n Du Dir!? Es stimmt. Großspurig ließ ich im vergangenen Jahr verlauten, ich würde bald organisierter, disziplinierter und konzentrierter arbeiten. Und leben. Und lieben. Das ist auch noch aktuell. Ich lese Fachlektüre, ich habe meine Kalender, bald auch besondere Ablagen, und dann einen Überblick. Der Weg ist weiter, als ich dachte. Hab‘ Geduld mit mir, bitte.

Ich bringe Opfer. Ich lösche Facebook. Also, nicht das ganze, Himmel, nur an meinem Schreibtisch, auf meinem Handy, in meinem Kopf. Noch in diesem Monat. Ich hab’s beschlossen. Ein paar Momente aus den 4 Jahren FB-Zeit werde ich konservieren, hier auf meiner Internetseite, in meinem Blog, in der Kategorie #FBex. ex steht für exitus. Cool, oder?

Die Frage nach dem Grund ist berechtigt. Weil es mich ablenkt, mir Zeit raubt, mich manipuliert und ausspioniert. Weil es mich erdrückt und immer seltener entzückt. Ich werde es vermissen, die Wirrheit, das Bunte, meine Freunde. Aber es wird gehen, die Beiträge finde ich auch so. Die Freunde sind nicht weg. Und ich bleibe hier. Ok?

Jetzt muss ich es nur noch den anderen beibringen.

18. Juni 2011 #FBex

© Grit Siwonia | Sommer 2010 in einem alten Wohnwagen, Sachsen

© Grit Siwonia | Sommer 2010 in einem alten Wohnwagen in Sachsen

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Literatur, Textstelle

Nennen wir es Liebe.

[…] Ich betrachtete sie zwei Stunden lang und betete zu Gott (das einzige Mal in meinem Leben), dass ich sie wie ein Mensch lieben könnte, nicht wie dieser Roboter, der ich bin, wissend, dass ich nicht erhört werden würde. Trotzdem lag ich diesem Gott weiterhin in den Ohren, denn ich wusste haargenau, dass ich hier und jetzt das Wunderschönste in meinem Leben erlebte, das war kein Vorschuss auf ein Glück, sondern schlicht und ergreifend der Höhepunkt meiner Seligkeit, und entsprechend selig saß ich zwei Stunden lang da und blickte auf meine schlafende Frau (denn sie war von dem Moment an meine Frau, als sich ihr Haar an ihrem Hals in das Pfötchen einer Schmusekatze verwandelte), und ich liebte sie von ganzem Herzen mit meinen Augen. […]

Martin Montag in „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir (Rowohlt)

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Literatur, Textstelle

Gottfried an Gertrud.

Wer sich nach Träumen sehnt, die noch nach dem Erwachen starkes Herzklopfen auslösen, der sollte Benns Briefe lesen, nachts.

 

„Es gibt Tage, die so leer sind, daß man sich wundert, daß die Fensterscheiben nicht rausgedrückt werden von dem negativen Druck; es gibt Gedankengänge von einer Aussichtslosigkeit, die bewußtseinsraubend ist.“

 

Auch wenn das physikalisch nicht ganz richtig scheint – eine Leere saugt doch eher, anstatt zu drücken!? Und: Kommt „negativer Druck“ von innen oder von außen? Diskussionswürdig, so oder so.

Gottfried Benn in einem Brief an Getrud Zenzes, wahrscheinlich 1922, aus "Gottfried Benn: Das gezeichnete Ich. Briefe aus den Jahren 1900-1956", dtv, 1962, 3. Auflage 1975, S. 11

Gottfried Benn in einem Brief an Getrud Zenzes, wahrscheinlich 1922, aus „Gottfried Benn: Das gezeichnete Ich. Briefe aus den Jahren 1900-1956“, dtv, 1962, 3. Auflage 1975, S. 11

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Katzen, Literatur

Sie und ich.

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Das ist Emily. Sie ist 11 Jahre alt und sehr klein. Im Sommer 2008 kam sie zu mir, unfreiwillig und großäugig. Damals war sie noch dünner und hatte vier Zähne mehr. Inzwischen nimmt sie täglich Medizin gegen Bluthochdruck. Zusammenfassend kann man sagen: Emily ist alt, dick und krank. Es geht ihr gut. Dank ihr geht es mir gut. Sie hat ein schwarzes Barthaar und riecht wie Kuchen.

 

Sie und ich, wir sind so.

 

Wenn sie nicht auf mir liegt, widmet sie sich meinen Schuhen oder vergräbt sich im Bettzeugtunnel, den ich ihr, besonders im Winter, zu bauen habe. Oh, und sie spricht. Zudem apportiert sie ihre Klackermäuschen wie ein Hündchen. Sie kackt Kullerketten und scharrt dann im Kistenumkreis von 2 Metern, nur nicht unmittelbar neben der Wurst. Meinen Musikgeschmack erträgt sie mit Würde, meine Leselust begrüsst sie, bietet sich so doch recht regelmäßig die Möglichkeit, meinen ruhenden Körper und gern auch das Buch zu entern, sodass ein Umblättern bald nicht mehr möglich ist, wir entweder schwesterlich eindösen, oder ich sie an die Seite verbanne. Ich werde von Emily berichten. Ab jetzt.

 

„Wer Katzen schätzt, gilt leicht als Sonderling. Er fühlt sich aber auch selber als etwas Besonderes. Er ist, um ein neuerdings wieder modernes Wort zu verwenden, ein Nonkonformist. Er wünscht, nicht mit dem Durchschnitt der Meinungen zu gehen. Auch die Dichter sind häufig [wie ich glaube, sogar stets] ein wenig Nonkonformisten. Viele von ihnen lieben Katzen, weil sie da die Übereinstimmung im Nichtübereinstimmen spüren. Edmond Jaloux hat schön geschrieben, daß die Katzen Überfluß, Ungestörtheit und Lust brauchen – luxe, calme et volupté.“

 

Auszug aus dem Kapitel ‚Literatur‘ in „Katzen“ von Axel Eggebrecht, Verlag der Arche, Auflage: 1982, erstmals veröffentlicht: 1927, aktuelle Auflage: 2012

 

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Literatur, Termin

Zwergenkacke.

Ich habe es immer gewusst: Müsli ist nicht einfach nur Müsli, also wild zusammengeschüttete Körnerei, aus Schalen und Hülsen und wasweißich herausgefriemelt. Nee, Müsli ist Zwergenkacke. Dafür gibt es einen Beweis in Buchform. Finn-Ole Heinrich hat’s herausgefunden und aufgeschrieben. Rán Flygenring hat’s geglaubt und illustriert. Nachles- und anguckbar ist die unfassbare Kackerei in dem wundervollen Kinderbuch „Frerk, du Zwerg“.

 

Darin geht es um den etwas klein geratenen, höchst altmodisch gekleideten und recht einsamen Jungen Frerk. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als einen Hund. Doch er hat nur eine kreischende Mutter und einen schweigsamen Vater. Was Frerk findet, ist ein Ei – und für kurze Zeit fünf schräge Freunde …

 

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„Frerk, du Zwerg“ wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 ausgezeichnet, verdient, tausendfach.

 

„Diese anarchische Phantasiegeschichte könnte nicht kinderbuchhafter sein: schwungvoll, mit Humor, Mutterwitz und Nachdenkstoff. Der sprachgewandte, fabulierlustige und semantisch kreative Text Heinrichs ruft beim Vorlesen wahre Lachstürme bei Kindern hervor und animiert sie zu eigenen Sammlungen schöner Wörter und Sprachverdrehungen.“,

so die Jury.

 

Es ist wahr! Gemeinsam mit Finn habe ich heute Vormittag eine Lesung im Literaturhaus Leipzig bestritten, ich moderierte – und Finn las, vor 90 Grundschülern. Die hatten Spaß! Ich auch.

 

„Frerk, du Zwerg“ von Finn-Ole Heinrich & Rán Flygenring
96 Seiten, 16,00 EUR, bloomsbury bzw. arsEdition
Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich, von Finn gelesen.

 

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