Fundstück, Literatur

Bild + Text = Karte.

Guckt mal, es gibt Karten mit Geschichten drauf, schöne Karten, zum Auf- und Zuklappen. Sie heißen: STORYCARDS. Sie lassen sich im Umschlag versenden. Wer die Geschichte jedoch behalten möchte, um Alternativen zum Zahnpastatubenaufdruck im Badezimmer, oder um ein ablenkendes Lesezeichen für die Pflichtfachlektüre zu haben, der kann die Illustration vorsichtig vom Textleib trennen und als Postkarte nutzen, sie also versenden, beschrieben und frankiert, mit 45 oder 75 Cent, falls Ihr gerade darüber nachdenkt, sofern Ihr die Karte nicht persönlich überreichen möchtet. Karten sind kostbar…

STORYCARDS von Circle of Joy - www.circleofjoy.com

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Ganz neu ist das Grußkarten-Set BERLIN I bis IV – mit Geschichten von Wladimir Kaminer (2 Geschichten), Lea Streisand und Thilo Bock, illustriert von Martin Haake. Dessen Arbeiten gefallen mir. Vor dem verbeuge ich mich. Tief. Wladimir kennt jeder, Lea kenne ich aus’m Radio, und Thilo ist ein bisschen irre. Ich traf ihn schon, zum Interview, vor 100 Jahren; war gut.

BERLIN I bis IV – STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

BERLIN I bis IV – STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

Leider sind diese schönen Karten derzeit wohl nur bei Amazon erhältlich. Es soll jedoch Alternativen geben, schreiben die Macher auf deren Internetseite, schon jetzt, oder vielleicht bald. Ich recherchiere das. Weitere IllustratorInnen-Namen konnte ich in der Hitze der Euphorie über das Fundstück auch noch nicht in Erfahrung bringen. Und jedes Mal, wenn ich den Firmennamen lese, habe ich schmutzige Gedanken. Aber wir sind ja alle schon groß – und geübt im Zusammenreißen. Ich schreibe.

www.circleofjoy.com

STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

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Literatur, Menschen

Begegnung mit Pieper.

Ich traf Juliane Pieper. Die kannte ich bereits, bevor wir uns kennenlernten, ohne es zu wissen. Sie illustriert und schreibt nämlich. Auch in meinen Lieblingsmagazinen. Die sauge ich zwar gnadenlos aus, studiere Gerichtsreportagen, Kolumnen, Porträts und gucke Bilder, aber ins Impressum sehe ich verhältnismäßig selten, bzw. dann doch ab und zu, um lediglich kopfnickend mir bekannte Namen zu entdecken. Wie man das eben so macht unter Kollegen*. Da wird dann gern mal ein: „Huch, die auch?“, oder ein: „Der war ja damals schon komisch.“ gemurmelt.

Der Name Juliane Pieper stand da schon häufig – im DAS MAGAZIN, in der taz und woanders. Als ich das erkannte, entfuhr mir lautes Euphoriegemurmel, denn da wusste ich, dass sie die ist, die das und das gemacht hatte. Bücher schreibt sie auch. Dewegen haben wir uns getroffen. Zuletzt erschien ihr kleines Bändchen „Lesewesen“ im Verlag Heyne. Darin geht es um uns: die Leser*. Leser von Frauenzeitschriften, Ratgebern, Arztromanen, Comics und Bestsellern. Wir erfahren, wie es in einer Frauen-Lesegruppe wirklich (!) zugeht, warum es die Badewannenleser im Grunde am besten haben und wie fantasieanregend das gemeine Freizeitlesen sein kann. Berge auf Balkonien. Pferdegetrappel in der Kantine. Beduinengeschrei in der S-Bahn.

 

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„Lesewesen. Von Badewannenlesern, dem Blätterwald und Papiertigern – verbreitete, seltene und sonderbare Geschöpfe aus der Welt des Lesens“ von Juliane Pieper, Heyne Verlag, 96 Seiten, s/w illustriert, 4,00 EUR

 
Juliane und ich sind Bus gefahren – und dann in einem Kreuzberger Café gelandet. Überall haben wir uns unterhalten, gehend und stehend. Über die Stadt, über Leser* in der Stadt, über’s Schreiben und Zeichnen, über die Freiheit, aber auch die Sorge, selbstständig zu arbeiten, über Unfreundlichkeit und Leseverhalten. Das Ergebnis unseres auschweifenden Gesprächs ist bald hier nachlesbar – und inzwischen komprimiert und produziert hörbar – 1x lang, 1x kurz.

Juliane Pieper lebt seit 13 Jahren in Berlin, kommt ursprünglich aus Stuttgart, wo sie 1975 geboren wurde, von einer Berlinerin. Sie studierte Literaturwissenschaften, Politikwissenschaften, Kommunikationsdesign, und ist eine ausgebildete Grafikerin. Wenn sie nicht zeichnet und schreibt, spielt sie Fagott bei der Zentralkapelle Berlin. Und sie ist lustig. Ja, verdammt, diese Frau kann alles. So sieht sie aus, die Pieper. Ihre Blümchen-Clipse passten gut zu meinen Kirsch-Ohrhängern. Und zur Deko. Und zu den leckeren, staubigen Keksen …

 

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Juliane Pieper, Foto: Lydia Herms

Juliane Pieper hat diese: Internetseite.

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