Funk, Literatur

08.17 | Das perfekte Buch…

…für den Moment, wenn dich das Normale überfordert.

„Du bist seltsam.“

Johanna hört das nicht zum ersten Mal. Manchmal findet Boris sie sogar „sehr seltsam“. Oder „wirklich richtig seltsam“. Wenn er das sagt, zieht er seine Augenbrauen hoch und guckt typisch Boris: spöttisch und erstaunt. Irgendwie mögen das alle an ihm, wenn er so guckt, selbst die, die ihn für einen arroganten Arsch halten.

Boris kann das: gleichzeitig beliebt und unbeliebt sein, also, bei den selben Leuten. Auch bei Johanna. Aber bei ihr ist es mehr als das. Johanna ist in Boris verliebt. So richtig.

Leider weiß sie nicht, ob er es weiß.

Sie sind sich schon mehrmal ganz nah gewesen. Im Zelturlaub beispielsweise. Nase an Nase, stundenlang, aber es ist nichts passiert. Und Johanna hat keinen Schimmer, warum nicht. Okay, er hat’ne Freundin, Ana-Clara, aber die ist weit weg, in Portugal, und weil Boris so gut wie nie von ihr erzählt, hat Johanna sie einfach vergessen. Außerdem nervt Ana-Clara, findet Johanna. Bei ihrem letzten Besuch in Deutschland hat Ana-Clara fast nie ein Wort gesagt und immer so ausdruckslos geguckt. Johanna hat versucht sie zu mögen.

Klappte aber nicht.

Und jetzt stehen sie und Boris in einem Keller auf einer Party von jemandem, den sie nicht kennen. Sebastian heißt der, oder Alexander. Es ist voll und heiß, und an der Anlage wollen zu viele Leute ihre Musik spielen. Um sich unterhalten zu können, müssen Boris und Johanna die Köpfe zusammenstecken, ihre verschwitzten Wangen aneinanderlegen. Sie spürt seinen Atem an ihrem Ohr, wenn er spricht. Sie genießt das, obwohl das Thema jetzt nicht gerade aufbauend ist. Boris redet über Selbstmord. Er findet den Begriff scheiße, weil man doch nicht gleichzeitig Mörder und Mordopfer sein kann, sagt er. Und so ein selbstbestimmter Freitod sei doch im Grunde okay.

Plötzlich fragt er Johanna, was dagegen spricht, sich das Leben zu nehmen. Also, außer, dass man vielleicht Angst davor hat. Und dann macht er sein Augenbrauengesicht, weil Johanna sagt, dass sie einen guten Grund kennt, weiterleben zu wollen…

Das Licht und die Geräusche, sagt Johanna, für die lohnt es sich.

Und genau so nennt Jan Schomburg seinen ersten Roman: „Das Licht und die Geräusche“. Bisher hat Schomburg Drehbücher geschrieben, und Regie geführt, bei „Ein Mord mit Aussicht“ beispielsweise.

In „Das Licht und die Geräusche“ geht es nicht nur um Johannas heimliche Liebe zu Boris, sondern auch um die anderen in ihrer Klasse. Um Leo. Der will nach den Sommerferien plötzlich Didi genannt werden, obwohl ihm das erstmal keiner abkauft. Leo sei doch tausendmal besser als Didi, sagen alle. Leo sieht das anders. Diesen Namen hat er von seinen Eltern bekommen. Und die konnten unmöglich wissen, was er selbst mal geil finden würde. Und Didi findet er richtig geil, also heißt er jetzt so. Stichwort: Selbstbestimmung. Punkt.

Und da sind Timo und Marcel. Mit Timo will keiner was zu tun haben. Als läge ein Fluch auf ihm. Der steht da in seinem grünen Anorak auf dem Schulhof und weiß nicht wohin. Manchmal tut er Johanna leid. Sie weiß, wie scheiße es ist, alleine rumzustehen. Aber wenn sich Timo möglichst beiläufig zu einer Gruppe von MitschülerInnen gesellt, passiert immer das gleiche: der Kreis schließt sich langsam – und Timo aus. Und weil sich keiner für Timo interessiert, kriegt auch keiner mit, was da zwischen ihm und Marcel passiert. Das fliegt erst auf der Klassenfahrt nach Barcelona auf, also, die „Beziehung“ zwischen den beiden Jungs. Dass Timo alles macht, was Marcel anordnet. Auf dem Boden schlafen, nur auf’s Klo gehen oder reden, wenn Marcel ihm das erlaubt hat.

Sowas.

Johanna wüsste gern, wie das alles zusammenhängt, warum wer was macht, die Leute in ihrer Klasse, Boris, Ana-Clara, ihre Eltern, ihr Bruder Matthis. Selbst das Verhalten mancher Lehrer an ihrer Schule irritiert sie. Echt voll komisch dieses Erwachsenwerden. Manches lässt sich einfach nicht erklären…

So richtig unlogisch wird es, als Johanna Boris’ Vater im Supermarkt begegnet. Sie angelt gerade eine Packung Spinat aus dem Tiefkühlregal, als sie ihn durch die beschlagene Scheibe auf sich zukommen sieht. Er wirkt überrascht. Und dann sagt er, dass sie doch eigentlich mit Boris in Dänemark sein sollte, auf einer Fahrradtour. Und als sie zuhause ankommt, drückt ihr ihre Mutter einen Brief in die Hand, mit Boris’ Schrift drauf, aus Island. Boris schreibt, dass da kein Licht mehr sei, und auch keine Geräusche, und dass er ihr sein Klapprad vermacht.

Johanna weiß alles – und nichts. Das hier ist’n Abschiedsbrief.

Anhören:

…auf deutschlandfunknova.de
…in der ARD Mediathek
…über deinen Spotify-Account

„Das Licht und die Geräusche“ von Jan Schomburg, dtv, 255 S., gebundene Ausgabe: 20,00 EUR, eBook: 15,99 EUR, Hörbuch (ungekürzte Lesung mit Maria Schrader): 19,99 EUR, VÖ: März 2017

 

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Funk, Literatur

Vom Drinnen & Draußen.

Oscar-Verleihung 2016 – Brie Larson erhält den Oscar für das beste weibliche Hauptrollenspiel. Ich kenne sie nicht. Kinogänge gehören nicht zu meinen Leidenschaften, auch wenn ich die seltenen Besuche stets genieße, zuletzt in „Die Prüfung“ (Deutschland) und „Sture Böcke“ (Island); allein der Umstand, dass es sich bei „Room“ um eine Literaturverfilmung hält, lässt mich aufmerken.

Da. War. Doch. Was.

Ich wühle mich durch Tonnen Papier, bis ich verstaubt und triumphierend mit der Romanvorlage von Emma Donoghue aus dem Berg Bücher emporsteige. Ich erinnere mich an das bunte Cover, vier große Buchstaben: „RAUM“. Ich wollte es nach Erscheinen lesen, war aber nicht dazu gekommen.

Emma Donoghue: „Raum“, Piper, 2011

Emma Donoghue: „Raum“, Piper, 2011

Ich lese. Und höre wieder auf. Ich bin schockiert. Lese weiter. Und bin begeistert. Scham flutet meine Brust. Warum bin ich von einer Geschichte begeistert, in der eine Mutter und ihr fünf Jahre alter Sohn in einem Schuppen mit schalldichten Wänden eingeschlossen sind? Die Scham versickert mit jeder Zeile, wohin, weiß ich nicht.

Vermutlich in jede Zelle.

Es geht nicht um das Eingesperrtsein, es geht um das Freisein. Emma Donoghue erzählt aus der Perspektive eines Kindes vom Drinnen und Draußen. Stark. Hoch tausend. Ja. Was ist Freiheit? Wer baut sie? Wer macht sie zugänglich? Für wen?

Das perfekte Buch für den Moment… bei DRadio Wissen, meine Buchvorstellung vom 13. März 2016…

„[…] Jeden Tag, außer samstags und sonntags, immer nach dem Mittagsschlaf, üben sie Geschrei. Dann klettern Jack und seine Mutter, die er nur Ma nennt, auf den Tisch, recken die Hälse Richtung Oberlicht und schreien, so laut und so lange sie können. Dabei halten sie sich an den Händen fest, damit sie nicht herunterfallen.

Dann legen sie die Finger an ihre Lippen – und lauschen.

Auch an Jacks fünftem Geburtstag üben sie Geschrei. Jack mag das; für ihn ist das ein Spiel. Wie vieles, was er und seine Ma machen: Wenn sie jeden Morgen gemeinsam baden. Wenn sie den Teppich beiseite rollen und ein Wettrennen veranstalten. Wenn sie den Fernseher stumm schalten, und den Sprechern wie Papageie Fantasiesätze in die Münder legen. Wenn sie alle Eierschalen, die beim Kochen und Backen übrig bleiben, zu einer meterlangen Schlange auffädeln. Wenn sie sich Lieder vorsingen, das Klopapier bemalen, oder Wörter erfinden, sogenannte Wörtersandwiches.

Jack fühlt sich wohl. Er hat es gut. Für ihn könnte alles so bleiben, wie es ist. Aber er merkt, dass seine Ma sich verändert, je älter er wird. Nicht nur, dass ihre Zähne immer mehr weh tun, und sie ziemlich oft Schmerztabletten nehmen muss, damit sie essen und schlafen kann, auch sonst sagt sie plötzlich Sätze, die Jack nicht hören will. Sie sagt, sie musste ihn früher belügen, weil er noch zu klein gewesen sei.

Und jetzt wäre es Zeit für die Wahrheit – für das „Entlügen“. […]“ (Auszug aus dem Beitrag für DRadio Wissen, s.o.)

Emma Donoghue: „Raum“, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Armin Gontermann, erschienen im Verlag Piper (2011), 410 Seiten, 19,99 EUR (geb.), 9,99 EUR (Tb.). „Raum“ gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Matthias Brandt, 19,99 EUR (CD), 13,00 EUR (Download).

Der Roman erschien 2010 unter dem Titel „Room“ bei Little, Brown and Company. Die Verfilmung von Lenny Abrahamson kam gestern, am 17. März 2016 in die deutschen Kinos. Das Drehbuch schrieb die Autorin Emma Donoghue selbst.

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#FBex, Fundstück, Menschen

Autor im Sportanzug. #FBex

09. Nov. 2012

John Irving und ich in der Villa Kennedy (Frankfurt/M.) nach einem zweistündigen Interview zum Roman „In einer Person“. Status: verliebt. Schärfe: egal.

© unbekannt |Nov. 2012,  John Irving und ich, unscharf in Frankfurt (Main)

© unbekannt |Nov. 2012, John Irving und ich, unscharf in Frankfurt (Main)

Kerstin Poppendieck Einer meiner Lieblingsautoren. Was bin ich neidisch!!!

SuSe Kipp jau

Lydia Herms Er ist ein sehr unterhaltsamer Kerl, aufbrausend, aufmerksam, witzig, ABER: keine Antwort unter 10 Minuten, im Schnitt 15. Und das, ohne den Faden zu verlieren. Er ist ein wunderbarer Erzähler.

Jasmin Klein Likelikelike! Ich liebe ihn seit Hotel New Hampshire und haben wegen ihm Komparatistik studiert!

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#FBex, Fundstück, Literatur

ilb 2012, (m)ein Text. #FBex

06. Sept. 2012

NACHTRAG: Ich habe mich erstmals im Netztexten für den rbb versucht – anlässlich des ILB 2012. Ungewohnte Länge, strenge Abnahme, geliebtes Format. TEXT.

Der Link zum Text auf rbb-online.de ist inzwischen nicht mehr aktiv, deshalb hier mein Text im Blog:

EUROPE NOW – Internationales Literaturfestival Berlin 2012

ein Text von Lydia Herms | 30. Aug. 2012

Das ILB 2012 ist nicht einfach nur ein Fest für Autoren, die gut vorlesen, und Leser, die gut zuhören – es ist ein Treffen der großen und kleinen Literaten aus aller Welt, ein Event, bei dem es um Kunst, Politik und andere Leidenschaften geht. Und natürlich um’s Erzählen. Am 04. Sept. ist es endlich wieder soweit.

Zuerst die Zahlen: An 12 Tagen werden 186 Autoren aus 56 Ländern während 126 Veranstaltungen sich und ihre Bücher dem Berliner Publikum vorstellen. Jetzt die Idee: „Europe Now“ ist das Kernthema, der Fokus, auf den sich alles konzentriert, der als „literarischer Rettungsschirm“ verstanden werden darf. Was ist Europa, was passiert in Europa und wie sehen Literaten und Künstler auf anderen Kontinenten dieses Europa? Klingt politisch; das ist gewollt.

„Wir sind ein politisches Festival. Jeder Besucher entscheidet für sich, wie politisch.“ (Ulrich Schreiber, ILB, Festivalleiter)

Bereicherungen

Eine Benefizveranstaltung für die in Russland verurteilten und inhaftierten Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot (08.09.2012, 19:30 Uhr) machen das Literaturfestival ebenso politisch, wie das Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Soziologen Richard Sennet und dem deutschen Philosophen Richard David Precht darüber, „was unsere Gesellschaft zusammenhält“ (11.09.2012, 21:00 Uhr).

„Europe Now heisst: zu verstehen, dass es in Europa immer mindestens 27 verschiedene Standpunkte gibt – und alle gleich ernst zu nehmen und als Bereicherung zu empfinden. Europa ist ein Prozess, eine Erfahrung. Und die wird immer reicher und immer wichtiger.“ (Thomas Böhm, ILB, Programmleiter)

Grenzüberschreitungen

Reich an Erfahrung sind sie, die Macher des ILB. Für Festivalleiter Ulrich Schreiber ist es das 12., für Programmleiter Thomas Böhm das erste. In Köln arbeitete der jahrelang für das ansässige Literaturhaus. Gemeinsam mit dem Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, mit dem Leiter des Kinder- und Jugendprogramms, Christoph Peter und einem fachkundigen Team, entstand ein Programm, das vor allem die bislang unerhörten Geschichten hörbar machen, die gewachsenen Grenzen zwischen Religionen, Kulturen und Wahrnehmungen verständlich und überwindbar machen sollen.

„Festivals, und ein Festival wie das Internationale Literaturfestival insbesondere, sind sehr gute Möglichkeiten solche Grenzüberschreitungen zu verstehen und zu erfahren. Vielleicht gibt es, im gelungenen Fall, keine Grenzen?“ (Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele)

Hochkarätiger Start

Am 4. Sept. um 18:00 Uhr wird das Internationale Literaturfestival Berlin 2012 offiziell mit einer Rede des chinesischen Dichters und Dissidenten Liao Yiwu zum Thema „Geschichte – Exil – Kunst“ im Haus der Berliner Festspiele eröffnet. Liao Yiwu gelang erstmals 2010 und mit Hilfe des ILB die Ausreise nach Deutschland, zu einer Lesung in Berlin. Der Chinese widmet seine Rede dem 17. Gyalwa Karmapa, dem dritthöchsten Würdenträger des buddhistischen Lamaismus nach dem Dalai Lama und dem Panchem Lama.

Gleich im Anschluss liest Regie-Koryphäe Robert Wilson aus seiner Oper „Einstein On The Beach“, die in Zusammenarbeit mit Philipp Glass entstand, und erstmals 1976 in Avignon aufgeführt worden war. In Berlin war „Einstein On The Beach“ zuletzt 2005 zu erleben, im Januar 2013 wird das ungewöhnliche Stück in Amsterdam aufgeführt. Die Frage, wie Wilson aus einer Minimal-Pop-Oper – geschrieben für Geige, Chor, Synthesizer und Blasinstrumente – rezitieren wird, macht gewaltig neugierig.

Weitere Publikumsmagneten während des Festivals sind Nobelpreisträgerin Hertha Müller (06.09., 19:30 Uhr), die erstmals ihre dritte Sammlung von Gedichtcollagen unter der Überschrift „Vater telefoniert mit den Fliegen“ präsentiert; John Green, der aus seinem neuen, weltweit viel gelobten und sehr verstörenden Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vorlesen wird (11.09., 9:00 und 19:30 Uhr); außerdem Georg Seeßlen mit Markus Metz (05.09., 19:00 Uhr), David Mitchell (10.09., 21:00 Uhr) und Zeruya Shalev (14.09., 21:00 Uhr).

Jemand Unbekanntes

Solange es noch etwas zu entdecken gibt, kann keine Langeweile aufkommen. Dies gilt auch für das Internationale Literaturfestival Berlin. Unbedingt empfehlenswert: Abdol Khal. Seinen ersten Roman schrieb er mit 17 Jahren. Heute, 43 Jahre später, kann er stolz auf mehrere Romane, Erzählbände und die Auszeichnung mit dem International Prize for Arabic Fiction für seinen Roman „Tarmi bi Sharar“ (2007; übersetzt: „Funken sprühen so groß wie Schlösser“) blicken. Und das, obwohl einige seiner Bücher in Saudi-Arabien wegen „unmoralischer Themen“ verboten sind. Bislang erschien keines seiner Bücher auf Deutsch. Vielleicht wird sich das ändern, wenn er hierzulande „Spewing Sparks As Big As Castles“ vorgestellt hat, die Geschichte eines Auftragsmörders in Diensten eines mysteriösen und sadistischen Palastbesitzers, der sich an den gefilmten Aufnahmen der gequälten Besucher seines Hauses erfreut. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Eigentlich ist Ma Thida aus Myanmar (ehemals Burma bzw. Birma) Chirurgin, doch ihre große Leidenschaft neben der Medizin ist das Schreiben. Ihr sowohl medizinisches, als auch schriftstellerisches Engagement für die Demokratiebewegung in ihrer Heimat führten 1993 zur Festnahme, Verurteilung und Inhaftierung. Seit ihrer Freilassung im Jahr 1999 reist sie um die Welt, nimmt an Schriftstellerprogrammen, Podiumsdiskussionen und Literaturfestivals teil. Während des ILB stellt sie ihren aktuellen Roman „The Roadmap“ vor, für den sie 2011 mit dem Norwegischen „Freedom of Speech Award“ geehrt wurde. Das Buch beschreibt die Veränderungen in Myanmar anhand einer Familiengeschichte über zwei Jahrzehnte hinweg. (15.09., 15:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Es ist ein Thriller, eine Liebesgeschichte und eine politische Satire, die Antonio Ungar in seinem Roman „Drei weiße Särge“ erzählt. Der Kolumbianer zählt zu den aufregendsten Autoren zeitgenössischer Literatur seines Landes. Ungar hat europäische Wurzeln. Seine jüdischen Großeltern stammen aus Wien in Österreich. Als Journalist schreibt er für internationale Magazine. Seine erste schriftstellerische Publikation hatte er bereits im Jahr 1999. (14.09., 19:30 Uhr, Instituto Cervantes)

Schmerztherapie

Manchmal muss es weh tun, damit etwas gespürt wird. Und manchmal muss es fiktiv sein, damit es geglaubt wird. Das Internationale Literaturfestival Berlin sieht sich auch als Festival des Widerstands und Kampfes. Die Scheuklappen werden abgelegt. Amir Hassan Cheheltan beschreibt das nackte Grauen. In seinem Roman „Teheran, Stadt ohne Himmel“ lässt er den Direktor eines Foltergefängnisses für politisch Gefangene mal Mensch, mal Monster sein. Dieses Werk erschien bisher nur in Deutschland unzensiert. (06.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Auch Raj Kamal Jhas Roman „Die durchs Feuer gehen“ lässt den Mund trocken werden, die Nasenflügel beben und das Herz schneller schlagen. Ist es wirklich so gewesen? Geburt und Tod liegen im Buch des Inders eng beieinander. Während Mr. Jay auf die Geburt seines Kindes wartet, versinkt die indische Stadt Ahmedabad in einem religiösen Krieg, an dessen Ende der Feuertod Tausender Muslime und Hindus steht. „Die durchs Feuer gehen“ ist Kamal Jhas dritter Roman. Der Schriftsteller und Journalist ist derzeit Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. (07.09., 19:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Liebesgeschichten

Neben den politischen und umstrittenen Themen, offenbart das Literaturfestival auch Raum für die ganz großen Angelegenheiten des Lebens wie Leidenschaft und Liebe. Damit hat es auch bei Marie Pohl angefangen. So eine Liebe brachte sie nach Kuba. Die Liebe zerbrach. Doch Marie blieb mutig. Sie folgte einem kubanischen Rasta in dessen Wellblechhütte, wischte geheimnisvolles Blut von Badezimmerkacheln in Irland und aß die unreifen Früchte aus einem Opfergabenkorb auf Bali. Sie tat dies nicht aus purem Leichtsinn, sondern in der Hoffnung, endlich einen echten Geist zu Gesicht zu bekommen. „Geisterreise“ heißt Maries ungewöhnlicher und leidenschaftlicher Reisebericht. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Mit viel Leidenschaft beschreibt auch Priya Basil die unmögliche Liebe zwischen Lina und Anil. Lina widersetzt sich dem Willen ihres Vaters, einem streng gläubigen Moslem, und folgt ihrer Liebe nach Afrika. Doch dort wird es nur noch komplizierter. Während des ILB wird Priya Basil nicht nur ihren Roman „Die Logik des Herzens“ vorstellen, sie fungiert auch als Moderatorin. (16.09., 11:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

A wie Anfänger

Ein Debüt ist immer etwas Besonderes. Es ist eine neue Geschichte mit neuer Stimme und Seele. Manche Debüts platzieren sich ruhig und unauffällig in den Herzen der Leser und Kritiker, andere schlagen ein wie Meteoriten, hinterlassen Krater und wüste Hoffnungen. Auf dem ILB sind beide Erscheinungsformen erlebbar. Das Treffen junger Autoren, kurz „tja“ dient den Berliner Festspielen seit 25 Jahren als Suchmaschine für den literarischen Nachwuchs. In Workshops arbeiten die Teilnehmer des tja an ihren Texten, tauschen sich in offener Atmosphäre mit Schreibprofis aus und präsentieren ihre Texte dem interessierten Publikum. Diesmal dabei: Khesrau Behroz, Clara Ehrenwerth, Stefan Hochgesand, Jule Sonnentag und Lena Stange. (07.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Was haben ein ungeklärter Mord im Jahr 2008 und ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt, miteinander zu tun? Der Leser taucht ab, „Bugatti taucht auf“, so der Titel des Romandebüts von Dea Loher. Sie schrieb bereits mehrere, teils prämierte Theaterstücke und einen Erzählband. Sie lebt in Berlin. (12.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Ist es gut für ein Debüt, wenn sich die Kritiker weltweit nicht einig darüber sind, ob sie es zum Meisterwerk erklären oder als literarische Blamage abtun sollen? Chad Harbach muss das nicht stören, sein Roman ist anders als die anderen Romane – und erfolgreich. „Die Kunst des Feldspiels“ erzählt vom Können und vom Versagen. Jonathan Franzen ist begeistert, „Debütromane von solcher Vollkommenheit und Sogkraft sind sehr, sehr selten.“. (13.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunstzonen

Literatur kann viel. Manche würden sogar so weit gehen und behaupten, Literatur sei Kunst. Ob das so ist und wie es dann ist, wenn es so ist, entscheidet allein der Betrachter für sich. Und natürlich ist es Kunst, wenn Gerhard Falkner, inspiriert durch den Pergamon-Altar auf der Berliner Museumsinsel, „Pergamon Poems“ schreibt und diese dann von Constantin Lieb und Felix von Boehm mit Schauspielern der Berliner Schaubühne verfilmt werden. Oder nicht? „Götterkino“ heißt das Ergebnis. (04.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Einen ganzen Tag lang widmet sich das ILB der bebilderten Erzählung, am sogenannten „Graphic Novel Day“ – zu Gast sind die Autoren, Illustratoren und Künstler Anna Sailamaa, Igort, Veronica Solomon, u.a.. (08.09., 10:00 bis 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunst und Religion, das ist eine komplizierte Angelegenheit, wie erst kürzlich und nicht zuletzt der Prozess gegen Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot verdeutlichte. Kein Grund, es nicht wieder zu wagen. Valère Novarina und Leopold von Verschuer lesen und besprechen 311 Definitionen Gottes – und versuchen sich dabei an der Unbegreiflichkeit des Herrn. (09.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Rabauken-Reime und Orangentage

27 Autoren und Illustratoren präsentiert das diesjährige Kinder- und Jugendprogramm des Internationalen Literaturfestivals Berlin, so viele wie nie zuvor. Sie kommen aus Neuseeland, Polen, Schweden und Simbabwe. Ihre Arbeiten sind komisch, traurig, auch provokant. Manche sind berühmt wie Janne Teller aus Dänemark, andere unbekannt wie Maria Papayanni aus Griechenland. Finn-Ole Heinrich kennt man schon, der kann ganz viel. Er kann Erzählungen und Romane für Erwachsene schreiben, Lieder texten, Hörbücher produzieren, Gedichte dichten – und Geschichten für Kinder erzählen. Sein viel gelobtes Kinderbuch „Frerk, du Zwerg!“ hat er für ein gleichnamiges Bühnenstück umgeschrieben, das während des ILB Premiere feiert. Es gibt Musik, Puppen und ein Geheimnis. (03.09., 10:45 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

2012 gewann das von Andrea Steffen bezaubernd illustrierte Buch „Rabauken-Reime“ von Gerald Jatzek den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, wurde zum schönsten Kinderbuch Österreichs gewählt und wird außerdem von der Stiftung Lesen
empfohlen. Auf dem ILB gibt Jatzek eine Kostprobe seiner wilden Reimerei. Freuen Sie sich in jedem Fall auf den „Schokolöwen“. (07.09., 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)
Der 14 Jahre alte Darek hat es nicht leicht. Seine Mutter ist tot, seine Schwester behindert und sein Vater betrunken. Als Darek Hanka kennenlernt, schöpft er Hoffnung. Hanka riecht nach Orangen. Jetzt könnte alles für immer gut werden. Doch, so einfach ist das Leben selten. „Orangentage“ von der tschechisch-deutschen Autorin Iva Procházková wurde mit dem Kinderbuchpreis LUCHS 2012 ausgezeichnet. (14.09., 12:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Das vollständige Programm des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2012, das Programm der Internationalen Kinder- und Jugendliteratur, sowie alle Autoren- und Künstlerbiografien finden Sie auf http://www.literaturfestival.de.

 

 

 

 

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#FBex, Fundstück, Literatur

Die leise Wolke. #FBex

09. Aug. 2012

Vor 50 Jahren starb Hermann Hesse. In meinen Gedanken bin ich ihm oft begegnet, habe ihm beim Schreiben und Malen zugesehen. Ich kann nicht behaupten, dass ich sein Werk gut kenne, aber einige seiner Bücher und Gedichte lese ich immer wieder, liebe ich. Vor allem das:

Die leise Wolke

Eine schmale, weiße
Eine sanfte, leise
Wolke weht im Blauen hin.
Senke deinen Blick und fühle
Selig sie mit weißer Kühle
Dir durch blaue Träume ziehen.

Siddhartha im Schwarzwald – Von Andreas Maier (für DIE ZEIT)

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#FBex, Fundstück, Menschen

T. C. Boyle und ich. #FBex

05. Mai 2012

Wer hat Angst vorm großen Mann? US-Autor T. C. Boyle nach dem Interview in einem Berliner Hotelzimmer. Er amüsiert und ich – passend zum Buch „Wenn das Schlachten vorbei ist“ – im Tierpulli. In diesen Minuten erobert er die Volksbühne in Berlin.

© Lydia Herms | Mai 2012, T. C. Boyle und ich, verwackelt, Berlin

© Lydia Herms | Mai 2012, T. C. Boyle und ich, verwackelt, Berlin

Grit Siwonia farbenähnlichkeit auf dem kopf und um den hals. das passt!

Jack Yl chuck norris?

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#FBex, Fundstück

Blurbst du schon? #FBex

18. Nov. 2011

„Der Book-on-demand-Service BLURB jetzt auch in Deutschland. Heute eröffnet in Berlin eine Ausstellung mit den schönsten Büchern, die mit Hilfe der Software zum Selbstverlegen entstanden sind.“ – meine Kollegin Gesine Kühne berichtet. Das dm-Fotobuch „in schön“? Mal hören! (Audio ist nicht mehr verfügbar, aber der Text ist noch lesbar.)

NACHTRAG: 

Storytelling Series: „Last Call“ by Judith Stenneken from Blurb Books on Vimeo.

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#FBex, Fundstück

Kindlekauf. #FBex

09. Nov. 2011

Ich. werde. s c h w a c h …

Kindle, WLAN, 15 cm (6 Zoll) E Ink Display

Antje Kroeger ich lieeebe meinen kindle, das lesevergnuegen ist gerade durch die spezialtinte hervorragend. nicht zu vergleichen mit dem spiegelungen jeglichen pads. und der preis ist sehr gut! (ich empfehle)

Lydia Herms seufz, aber dafür möchte ich es doch haben. ein ipad lenkt mich zu sehr ab, vom lesen, vom denken. außerdem kostet es milliarden mehr. ich find’s ja schön, das ipad, aber es kann zuviel.

Lydia Herms antje, hast du das neue, kleine oder den vorgänger mit den vielen tasten? braucht man diese tasten?

Antje Kroeger manchmal ist weniger mehr. das gefuehl, die wichtigen buecher auf dem kindle und die wichtige musik auf dem ipod bei sich zu haben als essenz aus allem, ist ein grundsaezlich warmes!

Lydia Herms hm, ich habe mein macbook bei „einfachen wegen“ nicht dabei, nur, wenn ich so richtig verreise, die stadt verlasse, ich mache viel zuhause. ich brauche unterwegs nur musik, lesestoff, stifte und mein telefon, mit dem ich auch ins netz kann. das „warme gefühl“ kann ich also nachempfinden. ich lese mich gerade durch kindle-berichte. im aktuellen kulturspiegel ist es auch ein thema, das buch im gerät. und es ist soooooo leicht. ich habe schon dellen in der schulter, weil ich jeden tag bücher von A nach B schleppe, momentan wieder sooooo viele. und das kindleding kann ja auch pdfs lesen.

Mary Gringer Kaufen! Zum nur lesen reicht es… finde jedoch, dass es noch zu wenige Bücher als ebooks gibt. Würde sonst nur noch so lesen

David Fischbach Ja, kauf den Kindle! Dann musst du nie wieder Fahnen vom Bildschirm lesen!

Aileen Kapitza ich hab den vorgänger, kann ihn dir nur empfehlen!
und außerdem, liebste lydia, ist unser prachtvoller hallenser coffee culture bahnhofskoffeinjunkiestore entgültig von uns gegangen. bitte jetzt kreischen.

Lydia Herms UNERHÖRT! wie lange schon? als ich das letzte mal bahn fuhr, bin ich immer über den seiteneingang rein und raus. ich kenne in halle keine alternative.

Aileen Kapitza seit kurzem. Coffee Fellows zieht jetzt rein – wie in Leipzig auch schon. *hmpf* Lydia, wir blauchen nen Plan! Ein Lesecafé. oder so.

Lydia Herms auja, mit den besten kaffeeröstmaschinen und kaffeeröstern und vorlesern und buchhändlern und lesegeräten.

Johannes Ackner Kaufen!

 

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#FBex, Fundstück

Klappentextlexikon. #FBex

20. Sept. 2011

Haha! Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Klappentexte ich schon las. Vielleicht erstelle ich mal ein Klappentextlexikon, ja, amazon.de, nur ohne das Drumrum. Da gäbe es Rubriken wie ‚poetisch‘, ‚anklagend‘ und ‚verstörend‘ … TEXT: Großartig! Verstörend!! Ja!!! (Christoph Schröder, ZEIT Online)

„[…] Ständig suchen Menschen nach ihren Wurzeln, und das in einer Sprache, die in der deutschen Literatur ihresgleichen suche: hochmusikalisch, biegsam und leuchtend, als sei sie mit Goldfäden durchzogen. In der deutschen Literatur sucht auch in diesem Herbst sehr viel seinesgleichen: die elementare Wucht, die Strahlkraft, die Genauigkeit. Gefühlte 75 Prozent aller Bücher sind nicht nur poetisch, sondern auch noch genau oder wahlweise präzise erzählt, weswegen sie, man ahnt es, Meisterwerke sind, oder zumindest Glanzstücke, deren Lakonie, siehe oben, ihresgleichen sucht. […]“

 

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