Literatur, Textstelle

Ich und Kaminski.

[…] In einem Restaurant am Hauptplatz bekam ich einen miserablen Thunfischsalat. Um mich saßen Urlauber, Kinder krähten, Väter blätterten in Landkarten, Mütter stachen Gabeln in riesige Kuchenportionen. Die Kellnerin war jung und nicht hässlich, ich rief nach ihr: Zuviel Öl im Salat, sie solle ihn wieder mitnehmen! Das wolle sie gern tun, sagte sie, aber bezahlen müsse ich trotzdem. Ich hätte aber, sagte ich, fast nichts davon gegessen. Das sei meine Sache, sagte sie. Ich verlangte nach dem Geschäftsführer. Sie sagte, der würde erst am Abend kommen, ich könne aber warten. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte, sagte ich und zwinkerte ihr zu. Ich aß den Salat auf, doch als ich bezahlen wollte, kam nicht sie, sondern ein breitschultriger Kollege. Ich gab kein Trinkgeld. […]

Sebastian Zöllner in „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann (Suhrkamp) – ein Geschenk, als unerwartete Buchpost lag es in meinem Briefkasten, versehen mit einer kurzen, aber liebevollen Widmung. Mein Dank ist groß; das Buch ist toll.
140607-lydiaherms-kehlmann-kaminski-fenster-800x600
 

Nachtrag:

Noch in diesem Jahr, wann genau, vermag ich nicht zu sagen, eine kurze Recherche im Netz brachte kein konkretes Datum zu Tage, kommt die Verfilmung von Kehlmanns „Ich und Kaminski“ in die deutschen Kinos. Regie führte Wolfgang Becker. Den kenne ich nicht. Dafür aber den Hauptdarsteller. Hört mich seufzen. Daniel Brühl spielt den Zöllner, ein Schauspieler, mit dem ich nichts anfangen kann. Eine Abneigung, die ich nicht in Worte fassen kann. Vielleicht erinnert er mich an jemanden. Vielleicht ist er dann aber doch die Idealbesetzung, denn Zöllner ist ein feiger Vogel, ohne Profil und ohne eigene Meinung. Den alten ignoranten Maler Manuel Kaminski spielt ein Mann namens Jesper Christensen.

Standard