Katzen, Literatur

Sie und ich.

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Das ist Emily. Sie ist 11 Jahre alt und sehr klein. Im Sommer 2008 kam sie zu mir, unfreiwillig und großäugig. Damals war sie noch dünner und hatte vier Zähne mehr. Inzwischen nimmt sie täglich Medizin gegen Bluthochdruck. Zusammenfassend kann man sagen: Emily ist alt, dick und krank. Es geht ihr gut. Dank ihr geht es mir gut. Sie hat ein schwarzes Barthaar und riecht wie Kuchen.

 

Sie und ich, wir sind so.

 

Wenn sie nicht auf mir liegt, widmet sie sich meinen Schuhen oder vergräbt sich im Bettzeugtunnel, den ich ihr, besonders im Winter, zu bauen habe. Oh, und sie spricht. Zudem apportiert sie ihre Klackermäuschen wie ein Hündchen. Sie kackt Kullerketten und scharrt dann im Kistenumkreis von 2 Metern, nur nicht unmittelbar neben der Wurst. Meinen Musikgeschmack erträgt sie mit Würde, meine Leselust begrüsst sie, bietet sich so doch recht regelmäßig die Möglichkeit, meinen ruhenden Körper und gern auch das Buch zu entern, sodass ein Umblättern bald nicht mehr möglich ist, wir entweder schwesterlich eindösen, oder ich sie an die Seite verbanne. Ich werde von Emily berichten. Ab jetzt.

 

„Wer Katzen schätzt, gilt leicht als Sonderling. Er fühlt sich aber auch selber als etwas Besonderes. Er ist, um ein neuerdings wieder modernes Wort zu verwenden, ein Nonkonformist. Er wünscht, nicht mit dem Durchschnitt der Meinungen zu gehen. Auch die Dichter sind häufig [wie ich glaube, sogar stets] ein wenig Nonkonformisten. Viele von ihnen lieben Katzen, weil sie da die Übereinstimmung im Nichtübereinstimmen spüren. Edmond Jaloux hat schön geschrieben, daß die Katzen Überfluß, Ungestörtheit und Lust brauchen – luxe, calme et volupté.“

 

Auszug aus dem Kapitel ‚Literatur‘ in „Katzen“ von Axel Eggebrecht, Verlag der Arche, Auflage: 1982, erstmals veröffentlicht: 1927, aktuelle Auflage: 2012

 

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