Literatur, Menschen

Begegnung mit Pieper.

Ich traf Juliane Pieper. Die kannte ich bereits, bevor wir uns kennenlernten, ohne es zu wissen. Sie illustriert und schreibt nämlich. Auch in meinen Lieblingsmagazinen. Die sauge ich zwar gnadenlos aus, studiere Gerichtsreportagen, Kolumnen, Porträts und gucke Bilder, aber ins Impressum sehe ich verhältnismäßig selten, bzw. dann doch ab und zu, um lediglich kopfnickend mir bekannte Namen zu entdecken. Wie man das eben so macht unter Kollegen*. Da wird dann gern mal ein: „Huch, die auch?“, oder ein: „Der war ja damals schon komisch.“ gemurmelt.

Der Name Juliane Pieper stand da schon häufig – im DAS MAGAZIN, in der taz und woanders. Als ich das erkannte, entfuhr mir lautes Euphoriegemurmel, denn da wusste ich, dass sie die ist, die das und das gemacht hatte. Bücher schreibt sie auch. Dewegen haben wir uns getroffen. Zuletzt erschien ihr kleines Bändchen „Lesewesen“ im Verlag Heyne. Darin geht es um uns: die Leser*. Leser von Frauenzeitschriften, Ratgebern, Arztromanen, Comics und Bestsellern. Wir erfahren, wie es in einer Frauen-Lesegruppe wirklich (!) zugeht, warum es die Badewannenleser im Grunde am besten haben und wie fantasieanregend das gemeine Freizeitlesen sein kann. Berge auf Balkonien. Pferdegetrappel in der Kantine. Beduinengeschrei in der S-Bahn.

 

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„Lesewesen. Von Badewannenlesern, dem Blätterwald und Papiertigern – verbreitete, seltene und sonderbare Geschöpfe aus der Welt des Lesens“ von Juliane Pieper, Heyne Verlag, 96 Seiten, s/w illustriert, 4,00 EUR

 
Juliane und ich sind Bus gefahren – und dann in einem Kreuzberger Café gelandet. Überall haben wir uns unterhalten, gehend und stehend. Über die Stadt, über Leser* in der Stadt, über’s Schreiben und Zeichnen, über die Freiheit, aber auch die Sorge, selbstständig zu arbeiten, über Unfreundlichkeit und Leseverhalten. Das Ergebnis unseres auschweifenden Gesprächs ist bald hier nachlesbar – und inzwischen komprimiert und produziert hörbar – 1x lang, 1x kurz.

Juliane Pieper lebt seit 13 Jahren in Berlin, kommt ursprünglich aus Stuttgart, wo sie 1975 geboren wurde, von einer Berlinerin. Sie studierte Literaturwissenschaften, Politikwissenschaften, Kommunikationsdesign, und ist eine ausgebildete Grafikerin. Wenn sie nicht zeichnet und schreibt, spielt sie Fagott bei der Zentralkapelle Berlin. Und sie ist lustig. Ja, verdammt, diese Frau kann alles. So sieht sie aus, die Pieper. Ihre Blümchen-Clipse passten gut zu meinen Kirsch-Ohrhängern. Und zur Deko. Und zu den leckeren, staubigen Keksen …

 

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Juliane Pieper, Foto: Lydia Herms

Juliane Pieper hat diese: Internetseite.

*ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie

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Allgemein, Menschen

Eine Bitte.

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Es ist mehr als das. Es ist eine Hoffnung, ein Sehnen, ein Elend. Das vergangene Jahr war nicht schlecht, iwo. Es war  u n f a s s b a r  anstrengend. Weil ich nicht Nein! sagen konnte, weil ich nicht Tschüss! sagen wollte, weil ich oft den Überblick verlor – und weil ich meine Liebe fand.

Ich gestehe: ich würde gern auf RESET drücken, oder ein paar LAYER löschen; zumindest die, auf denen ich unkonzentriert und zusammenhanglos gekliert habe. Auf denen ich Dinge verewigte, für die ich noch bis in alle Ewigkeit geohrfeigt werden müsste. Verbal allenfalls. Mit Schampieken. Oder mit Geschrei. Irgendwie so. Das zu erklären, ist nicht einfach. Es ist die Wahrheit, dass ich erst weine und dann lache. Das erklärt vielleicht, warum ich in diesem Text erst um Erlösung bitte – und dann schreibe:

 

Ich bin glücklich.

 

Ich habe das Jahr 2013 geschafft, ohne hinzuschlagen und zu verbluten. Das ist gut. Unterwegs traf ich einen Mann, der mich liebt. Das kann jedem mal passieren, auch mir, ja, aber nicht so. Er ist, was fehlte. Und mehr. Das kann kein Zufall sein!

Auch nicht die Begegnung mit einer Mode-Designerin im Zug von Halle (Saale) nach Berlin am 2. Weihnachtsfeiertag. Sie trug ihren 5 Monate alten Sohn auf dem Arm, und wir mussten stehen, weil nirgends freie Plätze zu finden waren. Als dann endlich doch, waren uns diese zu weit auseinander; wir wollten reden. Das Baby sah und hörte uns entspannt dabei zu. Nach einer knappen Stunde nicht mehr. Es quengelte. Es weinte. Ich zog Grimassen – und es lachte. Erst Weinen, dann Lachen. Ich reagierte, obwohl ich das Phänomen schon mehrmals bei Babys beobachtet hatte, überrascht. Noch mehr, als mir die Mitreisende eine Theorie erklärte, nach der Lachen aus dem Weinen entsteht, nämlich dann, wenn Entspannung eintritt, das Kind erkennt, dass es doch gar nicht so dramatisch ist. Und ich lache jetzt.

 

Es ist mehr als das.

 

Ich habe viel gearbeitet in den vergangenen Monaten und Jahren. Ich nahm Aufträge an, obwohl sie schlecht bezahlt wurden. Ich sagte mir: „Ich brauche das Geld.“, und sie sagten mir: „Mehr geht wirklich nicht, Lydia.“. Ich bin müde vom vielen Anstrengen. Selbst wenn ich ruhe, träume ich von dieser Anstrengung. Was ich verdiene, erhalte ich nicht. Jedenfalls nicht immer. Im neuen Jahr wird es anders werden.

Ich gehe, wenn sie mich nicht angemessen bezahlen, zu denen, die es tun. Die gibt es, denn ich habe durchaus schon Auftraggeber gefunden, die angemessen zahlen. Und wenn es doch eng wird, dann gehe ich ganz neue Wege, ohne Radio. So sage ich es mir. Ich habe viele Ideen. Wenn ich Hilfe zulasse, kann ich sie auch umsetzen. Ich weiß es. Und ich weiß auch, dass ich nicht die einzige freie Autorin bin, der es so geht. Das ist meine Botschaft: Lasst Euch das nicht gefallen! Ja, es wird andere geben, die Eure Jobs machen, wenn Ihr sie nicht mehr macht, weil Leistung und Honorar in keinem akzeptablen Verhältnis stehen. Geht trotzdem. Glaubt an Euch.

 

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Literatur, Termin

¡Viva la Independencia?

Ihr kennt Rowohlt, Diogenes und KiWi, keine Frage. Aber: Kennt ihr auch Blumenbar, kookbooks und mairisch? Gemessen am Fassungsvermögen der Großraumdisko „Verlagswelt“, ist die Tanzfläche unerhört klein. Veröffentlichungen der sogenannten unabhängigen Verlage haben es schwer, gebührend beachtet, in die Schaufenster der Buchhandlungen gestellt und somit zahlreich gekauft zu werden. Das ist sehr schade, denn so entgehen dem gemeinen Buchladenschaufensterbummler und Spontankäufer wunderbare Bücher. Nicht, dass ich viel von Bestsellerlisten halten würde, aber ein Verlag, der keine Bücher verkauft, überlebt nicht.

 

Die Hotlist ist erwähnenswert.

 

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Seit 2009 stellt eine Jury – in diesem Jahr unterstützt durch die von mir hoch geschätzte Schriftstellerin Ulrike Almut Sandig – aus einer Vielzahl von Einreichungen eine delikate Auswahl zusammen, die Kandidatenliste. Dann darf gelesen und „gevotet“ werden, von uns Lesern. Zur gleichen Zeit entscheidet noch einmal die Jury über die Besten der Besten. Und nach einigem Gewähle und Geklicke ist sie spruchreif, die Hotlist 2013, bestehend aus 10 Büchern, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober. Ja, die Meinungen gehen auseinander. Als wildes Gegenstück zum elitären Deutschen Buchpreis betrachten es die einen, affektiert pseudopunkiges Getue beklagen die anderen.

 

Ich sage: Lasst euch nicht beirren, kauft und lest (die) Bücher, z.B. „Auflaufend Wasser“ von Astrid Dehe und Achim Engstler (furchtbar aufregend, Steidl), „Brief in die Auberginenrepublik“ von Abbas Khider (beinahe romantisch, edition nautilus) und „Selig & Boggs. Die Erfindung von Hollywood“ von Christine Wunnicke (unnützes Wissen vom Feinsten, Berenberg). Wählen könnt ihr jedenfalls noch bis Mitte August.

 

Hotlist-Blog.

 

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