Literatur, Termin

¡Viva la Independencia?

Ihr kennt Rowohlt, Diogenes und KiWi, keine Frage. Aber: Kennt ihr auch Blumenbar, kookbooks und mairisch? Gemessen am Fassungsvermögen der Großraumdisko „Verlagswelt“, ist die Tanzfläche unerhört klein. Veröffentlichungen der sogenannten unabhängigen Verlage haben es schwer, gebührend beachtet, in die Schaufenster der Buchhandlungen gestellt und somit zahlreich gekauft zu werden. Das ist sehr schade, denn so entgehen dem gemeinen Buchladenschaufensterbummler und Spontankäufer wunderbare Bücher. Nicht, dass ich viel von Bestsellerlisten halten würde, aber ein Verlag, der keine Bücher verkauft, überlebt nicht.

 

Die Hotlist ist erwähnenswert.

 

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Seit 2009 stellt eine Jury – in diesem Jahr unterstützt durch die von mir hoch geschätzte Schriftstellerin Ulrike Almut Sandig – aus einer Vielzahl von Einreichungen eine delikate Auswahl zusammen, die Kandidatenliste. Dann darf gelesen und „gevotet“ werden, von uns Lesern. Zur gleichen Zeit entscheidet noch einmal die Jury über die Besten der Besten. Und nach einigem Gewähle und Geklicke ist sie spruchreif, die Hotlist 2013, bestehend aus 10 Büchern, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober. Ja, die Meinungen gehen auseinander. Als wildes Gegenstück zum elitären Deutschen Buchpreis betrachten es die einen, affektiert pseudopunkiges Getue beklagen die anderen.

 

Ich sage: Lasst euch nicht beirren, kauft und lest (die) Bücher, z.B. „Auflaufend Wasser“ von Astrid Dehe und Achim Engstler (furchtbar aufregend, Steidl), „Brief in die Auberginenrepublik“ von Abbas Khider (beinahe romantisch, edition nautilus) und „Selig & Boggs. Die Erfindung von Hollywood“ von Christine Wunnicke (unnützes Wissen vom Feinsten, Berenberg). Wählen könnt ihr jedenfalls noch bis Mitte August.

 

Hotlist-Blog.

 

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Literatur, Menschen

Paulas Brief.

Paula ist 10 Jahre alt. Sie liest gern Bücher und schreibt darüber in ihrem Blog Paulas Bücherkiste. Den fand ich durch eine Freundin: Mimi Welldirty, Kinderbuchautorin & Musikerin. Paulas zuletzt veröffentlichter Beitrag beeindruckte mich sehr. Er ist kurz, aber konkret. Sie schrieb einen offenen Brief an deutsche Verleger.

 

„[…] In allen Büchern, die ich lese gibt es immer nur Jungs und Mädchen, die sich in einander verlieben und keine lesbischen Mädchen. Nur bei den wilden Hühnern habe ich sowas gelesen. Es ist doch kein Wunder, wenn dann alle Kinder denken, es sei unnormal als Mädchen ein Mädchen oder als Junge einen Jungen zu lieben. Warum könnt Ihr denn nicht mehr solcher Geschichten drucken? […]“ (paulasbuecherkiste.wordpress.com)

 

In Frankreich gehen 150.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Ehe von Homosexuellen zu protestieren. Und hier verlangt eine Zehnjährige nach Freiheit im Kinderbuch.

 

Paula, ich verneige mich.

 

Offener Brief von Paula an deutsche Kinderbuch-Verleger

 

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