Literatur, Menschen

Buchzik prangert an.

Ich kenne weder die Journalistin Dana Buchzik persönlich, noch all ihre Erfahrungen, die sie im Literaturbetrieb gemacht hat. Dennoch empfehle ich euch, ihren Text auf taz.de zum Thema Sexismus und Diskriminierung zu lesen. Es ist ihr wichtig.

Mir auch.

„Nicht dass im Journalismus Sexismus kein Thema wäre: Bespritzt der Rennfahrer Lewis Hamilton eine Hostess mit Champagner, vertreibt ein großes Versandhandelsunternehmen „In Mathe bin ich Deko“-Shirts für Mädchen, ist das Geschrei groß. Im Literaturbetrieb aber ist die Welt natürlich eine andere, unbefleckte: Viele seiner Protagonisten sehen sich gern als besonders tolerant und progressiv.“ (Dana Buchzik, taz.de)

Die einzige, aber beständige Diskriminierung, der ich als freie Journalistin ausgesetzt bin, ist die, dass ich keine Mutter bin, und deswegen natürlich flexibel. So flexibel, dass einige meiner KollegInnen grundsätzlich davon ausgehen, dass ich mich ihren Rhythmen füge. Und eine Verabredung mit einem Freund ist nur halb so stark wie die Verpflichtung, dem Sohn neue Schuhe zu kaufen. Also sage ich meine Verabredung zugunsten der Eltern ab. Denn das Kind geht immer vor. In ihren Leben ganz bestimmt; in meinem nicht. Soviel zu meinen Wunden. Das führt von Danas Anliegen aber weg.

Zurück zu dem.

„Dass männliche Chefs ihre weiblichen Mitarbeiter „Mäuschen“ nennen; dass Journalisten auf Pressereisen lautstark Wetten darüber abschließen, wer die jüngste Kollegin als Erster ins Bett kriegen wird; dass leitende Redakteure freien Mitarbeiterinnen schon beim Versuch einer Gehaltsverhandlung über den Mund fahren, da von Frauen ein weniger unverschämtes Auftreten gewünscht sei und/oder sie ohnehin nie eine feste Stelle erhalten würden: wie humorlos, so etwas zu dramatisieren!“ (Dana Buchzik, taz.de)

Ekelhafte Verleger, anzügliche Kollegenschweine und ähnlich Deprimierte haben es bei mir bislang nicht versucht. Oder ich es nicht bemerkt. Ich meide den Literaturbetrieb, so weit es geht. Keine Partys, keine Essen, wenige Presseveranstaltungen, allenfalls auf Buchmessen. Den Kaffee zahl‘ fast immer ich. Keine faulen Absprachen und keine unseriösen Versprechungen. Dennoch bin ich zu AutorInnen und VerlagsvertreterInnen immer aufrichtig, und bei Anfragen für meine Sendungen und Beiträge verbindlich. Ein Interview platzt sehr selten wegen mir.

Vielleicht stecke ich nicht tief genug im Sumpf. Vielleicht bin ich nicht so gefährlich für die dummen Menschen, die Dana Buchzik drohen. Immerhin: Ich bin eine Frau. Ich lese Bücher. Es sind sehr viele Bücher von Frauen. Nicht, weil ich muss, sondern weil sie gut sind. Die Frage nach der „Quote“ stellte sich mir nie. Ich entscheide in seltenen Fällen politisch, und wenn doch, dann spielt das Geschlecht keine Rolle. Und wenn (doch) doch, z.B. im Fall von Laurie Penny, dann stehe ich drauf.

Bin ich naiv?

Seit ich journalistisch arbeite, wird mir vorgehalten, ich könne mir Kritik am Literaturbetrieb nicht leisten. Auf den Weg gegeben wird mir der Ratschlag, ich müsse erst eine festangestellte Journalistin oder eine etablierte Autorin sein, um mir das herausnehmen zu können. Missstände aufzeigen zu dürfen sollte man sich aber nicht erst durch jahrelanges Schweigen verdienen müssen. Ich bin nicht zuletzt deswegen Journalistin geworden, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es Öffentlichkeit braucht, um etwas verändern zu können.“ (Dana Buchzik, taz.de)

Ja!

Dana Buchzik wünsche ich viel Rückenwind.

Sie bloggt: sophiamandelbaum.de. Und twittert.

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