Funk, Menschen

Was hat das mit Liebe zu tun?

„Liebesschlösser sind Spuren. […] Wenn’s dich stört, dann hast du ein Problem damit, dass überhaupt irgendjemand seine Spur hinterlässt.” (Pierre) vs. „Das ist ein Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik auf uns alle. […] Diese Schlösser sind moderne Keuschheitsgürtel.” (FRANKFURTER HAUPTSCHULE)

Mein Radiobeitrag zum Thema Liebesschlösser lief am 08.09.2016 im GRÜNSTREIFEN bei DRadio Wissen, dem dritten, jungen, digitalen Programm vom Deutschlandfunk. Hier zu hören. Und hier:


Liebesschloss an der Marschallbrücke in Berlin-Mitte – Foto: Lydia Herms

Liebesschloss an der Marschallbrücke in Berlin-Mitte – Foto: Lydia Herms

Manuskript:

Moderation: Ihr kennt sie, die Liebesschlösser, die an allem hängen, was einem Zaun oder einer Brüstung ähnlich ist, vorzugsweise am oder über Wasser. Vielleicht habt ihr selbst irgendwo eins angebracht. Vielleicht hasst ihr sie aber auch. So wie die Mitglieder der Künstlergruppe FRANKFURTER HAUPTSCHULE. Für eine Ausstellung initiierte diese Gruppe Anfang August eine Medienperformance. Bringt uns Liebesschlösser!, propagierten sie – und zahlten pro Stück einen Euro. Angeblich. Und angeblich kamen dabei fast 3000 Schlösser zusammen.

Ton: „Hi, Slaves. Hier spricht die FRANKFURTER HAUPTSCHULE. […] Manche Pärchen halten es für eine tolle Idee, ein Symbol ihrer Liebe, ein Vorhängeschloss, an Frankfurts zentrale Fußgängerbrücke zu klatschen. Geiles Symbol. Wir sagen, das ist ein Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik auf uns alle. Wir sagen, diese Schlösser sind moderne Keuschheitsgürtel. Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz. […]“ (FRANKFURTER HAUPTSCHULE | YouTube)

Ton: „Also, mein Ästhetikempfinden stört’s nicht. Eindeutig.“ – „Mir fallen diese Schlösser eigentlich gar nicht auf. Ich seh‘ die dann ab und zu zwar, aber ich denk‘ da nicht offensichtlich drüber nach. Die haben eigentlich nicht so eine große Bedeutung für mich.“ – „Hm, ich denke, das ist ganz ortsabhängig. Zum Beispiel hier, würde ich sagen, passt es nicht ganz, aber zum Beispiel an der Warschauer Straße, Kreuzberg, da gehört das eigentlich dazu. Da sind auch einige, die ich da immer sehe. Ich find‘, die passen da hin, und sollten da bleiben – und es sollten noch mehr kommen, eigentlich. (lacht)“ (Umfrage, anonym | Rummelsburger See)

Text: Berlin, Rummelsburger See im Osten der Stadt, Paul-und-Paula-Ufer. Ich spreche Menschen an. Will ihre Meinungen über 100 Gramm buntes Metall mit Gravur einholen. Ausnahmslos alle der Gefragten geben sich sanftmütig.

Ton: „Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz. […] Das muss weg! […]“ (FRANKFURTER HAUPTSCHULE | YouTube)

Text: Die Mitglieder der Künstlergruppe FRANKFURTER HAUPTSCHULE können gar nicht soviel essen wie sie kotzen wollen. Sie haben ein Problem mit den sogenannten Liebesschlössern, die an Geländern und Brüstungen aller Art hängen, als Zeichen für ewige Verbundenheit; Liebe sogar. Unter der Überschrift STAHLBAD IST 1 FUN riefen sie Anfang August dieses Jahres per Videobotschaft Gleichgesinnte auf, ihnen geknackte Liebesschlösser zu bringen, damit sie daraus „was Besseres“ machen können…

Ton: „[…] für den amourösen und ästhetischen Fundamentalismus. Frankfurter Hauptschule.“ (FRANKFURTER HAUPTSCHULE | YouTube)

Text: Nicholas gehört zur jungen Künstlergruppe – und ist zufrieden. Es wurde viel berichtet, aber auch viel gehasst. Der Vorwurf, herzlos zu sein, amüsiert ihn.

Ton: „[…] Ich mein‘, man kann’s ja auch einfach mal umdrehen und sagen, das ist letztendlich auch ’ne Form von einer brutalen Äußerung, wenn man uns das da so massenhaft um die Ohren haut, wenn wir jeden Tag zwischen dieser kitschigen Scheiße rumrennen müssen, die ja in dieser Masse auch irgendwie etwas aussagt… […]“ (Nicholas | Telefonat)

Text: Robert und Suse. Uschi und Harald. P plus A, BFF, best friends forever. Wir gehören zusammen. Und wir waren hier. Alles sollen es wissen.

Ton: „[…] Das, was diese Liebesschlösser ja irgendwie inhaltlich aussagen, also, ’ne Form von Knastsymbolik, und Zuschließen, und Kontrollieren, das ist ja ziemlich nah aneinander, dieses kleinbürgerliche Massenphänomen, da so touristisch irgendwelche Brücken zuzuklatschen, und jeder hängt nochmal eins dran, und das soll dann auch noch irgendwas mit Liebe zu tun haben? […]“ (Nicholas | Telefonat)

Text: Ob das was mit Liebe zu tun hat, ist für eine Stadtverwaltung grundsätzlich nicht relevant. Die will nur wissen: Sind die Schlösser in irgendeiner Weise gefährlich? Machen sie etwas kaputt? Und wenn ja: Welche Konsequenzen sind zu ziehen? In Berlin ist das Anbringen nirgends erlaubt, die Schlösser werden regelmäßig geknackt. Auch in Paris werden seit dem Sommer des vergangenen Jahres tonnenweise Liebesschlösser von den Seine-Brücken entfernt. Sie sind zu schwer, sagt die Stadt, und die hat wohl recht: bereits 2014 war ein Stück Geländer der Fußgängerbrücke Pont des Arts samt Buntmetall ins Wasser gestürzt. Auf großen Verbotsschildern wird nun proklamiert: Stop aux cadenas!, Stoppt die Schlösser!

Und die Stadt Frankfurt? Die schreibt auf ihrer Internetseite, es wäre „nicht zu befürchten, dass der Eiserne Steg durch diese Schlösser ganz oder in Teilen zusammenbricht.“. Von einem Verbot ist nicht die Rede.

In Berlin begegne ich den Franzosen Cecile und Pierre. Sie sind hergezogen, weil sie sich hier frei bewegen können, erzählen sie. Für sie sind die Schlösser Spuren. Spuren, die wir Menschen in unseren Städten hinterlassen. Wer Liebesschlösser knackt, zerstört Spuren?!

Ton: „(P) Wenn man sowas macht, dann ist man dagegen, dass man diesen space benutzt. Grundsätzlich zu sagen: ich finde das hässlich, ich will das wegtun, wenn’s dich stört, dann hast du ein Problem, das überhaupt irgendjemand seine Spur hinterlässt, und dann hat er ein Problem mit der Idee, dass das uns gehört. – „(C) Paris zum Beispiel gehört dir nie! Die public spaces sind superklein, du darfst nicht ein Getränk, also, ein Bier, draußen auf der Bank trinken, du darfst nicht auf dem Gras sitzen, das ist superverboten. Und vielleicht ist es ein Symbol, da, du bist draußen, aber der public space gehört dir nicht, darum brauchst du diese Art zu sagen: Doch, das gehört mir ein bisschen! Im Vergleich zu Berlin, wo du total frei bist.“ (Umfrage, Pierre & Cecile | Rummelsburger See)

Text: Das Liebesschloss als Spur, als Beleg für Unfreiheit, und das Aufhängen als Akt der Eroberung von öffentlichem Raum? Klingt absurd – aber schlüssig.

Standard
#FBex, Fundstück, Literatur

ilb 2012, (m)ein Text. #FBex

06. Sept. 2012

NACHTRAG: Ich habe mich erstmals im Netztexten für den rbb versucht – anlässlich des ILB 2012. Ungewohnte Länge, strenge Abnahme, geliebtes Format. TEXT.

Der Link zum Text auf rbb-online.de ist inzwischen nicht mehr aktiv, deshalb hier mein Text im Blog:

EUROPE NOW – Internationales Literaturfestival Berlin 2012

ein Text von Lydia Herms | 30. Aug. 2012

Das ILB 2012 ist nicht einfach nur ein Fest für Autoren, die gut vorlesen, und Leser, die gut zuhören – es ist ein Treffen der großen und kleinen Literaten aus aller Welt, ein Event, bei dem es um Kunst, Politik und andere Leidenschaften geht. Und natürlich um’s Erzählen. Am 04. Sept. ist es endlich wieder soweit.

Zuerst die Zahlen: An 12 Tagen werden 186 Autoren aus 56 Ländern während 126 Veranstaltungen sich und ihre Bücher dem Berliner Publikum vorstellen. Jetzt die Idee: „Europe Now“ ist das Kernthema, der Fokus, auf den sich alles konzentriert, der als „literarischer Rettungsschirm“ verstanden werden darf. Was ist Europa, was passiert in Europa und wie sehen Literaten und Künstler auf anderen Kontinenten dieses Europa? Klingt politisch; das ist gewollt.

„Wir sind ein politisches Festival. Jeder Besucher entscheidet für sich, wie politisch.“ (Ulrich Schreiber, ILB, Festivalleiter)

Bereicherungen

Eine Benefizveranstaltung für die in Russland verurteilten und inhaftierten Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot (08.09.2012, 19:30 Uhr) machen das Literaturfestival ebenso politisch, wie das Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Soziologen Richard Sennet und dem deutschen Philosophen Richard David Precht darüber, „was unsere Gesellschaft zusammenhält“ (11.09.2012, 21:00 Uhr).

„Europe Now heisst: zu verstehen, dass es in Europa immer mindestens 27 verschiedene Standpunkte gibt – und alle gleich ernst zu nehmen und als Bereicherung zu empfinden. Europa ist ein Prozess, eine Erfahrung. Und die wird immer reicher und immer wichtiger.“ (Thomas Böhm, ILB, Programmleiter)

Grenzüberschreitungen

Reich an Erfahrung sind sie, die Macher des ILB. Für Festivalleiter Ulrich Schreiber ist es das 12., für Programmleiter Thomas Böhm das erste. In Köln arbeitete der jahrelang für das ansässige Literaturhaus. Gemeinsam mit dem Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, mit dem Leiter des Kinder- und Jugendprogramms, Christoph Peter und einem fachkundigen Team, entstand ein Programm, das vor allem die bislang unerhörten Geschichten hörbar machen, die gewachsenen Grenzen zwischen Religionen, Kulturen und Wahrnehmungen verständlich und überwindbar machen sollen.

„Festivals, und ein Festival wie das Internationale Literaturfestival insbesondere, sind sehr gute Möglichkeiten solche Grenzüberschreitungen zu verstehen und zu erfahren. Vielleicht gibt es, im gelungenen Fall, keine Grenzen?“ (Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele)

Hochkarätiger Start

Am 4. Sept. um 18:00 Uhr wird das Internationale Literaturfestival Berlin 2012 offiziell mit einer Rede des chinesischen Dichters und Dissidenten Liao Yiwu zum Thema „Geschichte – Exil – Kunst“ im Haus der Berliner Festspiele eröffnet. Liao Yiwu gelang erstmals 2010 und mit Hilfe des ILB die Ausreise nach Deutschland, zu einer Lesung in Berlin. Der Chinese widmet seine Rede dem 17. Gyalwa Karmapa, dem dritthöchsten Würdenträger des buddhistischen Lamaismus nach dem Dalai Lama und dem Panchem Lama.

Gleich im Anschluss liest Regie-Koryphäe Robert Wilson aus seiner Oper „Einstein On The Beach“, die in Zusammenarbeit mit Philipp Glass entstand, und erstmals 1976 in Avignon aufgeführt worden war. In Berlin war „Einstein On The Beach“ zuletzt 2005 zu erleben, im Januar 2013 wird das ungewöhnliche Stück in Amsterdam aufgeführt. Die Frage, wie Wilson aus einer Minimal-Pop-Oper – geschrieben für Geige, Chor, Synthesizer und Blasinstrumente – rezitieren wird, macht gewaltig neugierig.

Weitere Publikumsmagneten während des Festivals sind Nobelpreisträgerin Hertha Müller (06.09., 19:30 Uhr), die erstmals ihre dritte Sammlung von Gedichtcollagen unter der Überschrift „Vater telefoniert mit den Fliegen“ präsentiert; John Green, der aus seinem neuen, weltweit viel gelobten und sehr verstörenden Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vorlesen wird (11.09., 9:00 und 19:30 Uhr); außerdem Georg Seeßlen mit Markus Metz (05.09., 19:00 Uhr), David Mitchell (10.09., 21:00 Uhr) und Zeruya Shalev (14.09., 21:00 Uhr).

Jemand Unbekanntes

Solange es noch etwas zu entdecken gibt, kann keine Langeweile aufkommen. Dies gilt auch für das Internationale Literaturfestival Berlin. Unbedingt empfehlenswert: Abdol Khal. Seinen ersten Roman schrieb er mit 17 Jahren. Heute, 43 Jahre später, kann er stolz auf mehrere Romane, Erzählbände und die Auszeichnung mit dem International Prize for Arabic Fiction für seinen Roman „Tarmi bi Sharar“ (2007; übersetzt: „Funken sprühen so groß wie Schlösser“) blicken. Und das, obwohl einige seiner Bücher in Saudi-Arabien wegen „unmoralischer Themen“ verboten sind. Bislang erschien keines seiner Bücher auf Deutsch. Vielleicht wird sich das ändern, wenn er hierzulande „Spewing Sparks As Big As Castles“ vorgestellt hat, die Geschichte eines Auftragsmörders in Diensten eines mysteriösen und sadistischen Palastbesitzers, der sich an den gefilmten Aufnahmen der gequälten Besucher seines Hauses erfreut. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Eigentlich ist Ma Thida aus Myanmar (ehemals Burma bzw. Birma) Chirurgin, doch ihre große Leidenschaft neben der Medizin ist das Schreiben. Ihr sowohl medizinisches, als auch schriftstellerisches Engagement für die Demokratiebewegung in ihrer Heimat führten 1993 zur Festnahme, Verurteilung und Inhaftierung. Seit ihrer Freilassung im Jahr 1999 reist sie um die Welt, nimmt an Schriftstellerprogrammen, Podiumsdiskussionen und Literaturfestivals teil. Während des ILB stellt sie ihren aktuellen Roman „The Roadmap“ vor, für den sie 2011 mit dem Norwegischen „Freedom of Speech Award“ geehrt wurde. Das Buch beschreibt die Veränderungen in Myanmar anhand einer Familiengeschichte über zwei Jahrzehnte hinweg. (15.09., 15:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Es ist ein Thriller, eine Liebesgeschichte und eine politische Satire, die Antonio Ungar in seinem Roman „Drei weiße Särge“ erzählt. Der Kolumbianer zählt zu den aufregendsten Autoren zeitgenössischer Literatur seines Landes. Ungar hat europäische Wurzeln. Seine jüdischen Großeltern stammen aus Wien in Österreich. Als Journalist schreibt er für internationale Magazine. Seine erste schriftstellerische Publikation hatte er bereits im Jahr 1999. (14.09., 19:30 Uhr, Instituto Cervantes)

Schmerztherapie

Manchmal muss es weh tun, damit etwas gespürt wird. Und manchmal muss es fiktiv sein, damit es geglaubt wird. Das Internationale Literaturfestival Berlin sieht sich auch als Festival des Widerstands und Kampfes. Die Scheuklappen werden abgelegt. Amir Hassan Cheheltan beschreibt das nackte Grauen. In seinem Roman „Teheran, Stadt ohne Himmel“ lässt er den Direktor eines Foltergefängnisses für politisch Gefangene mal Mensch, mal Monster sein. Dieses Werk erschien bisher nur in Deutschland unzensiert. (06.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Auch Raj Kamal Jhas Roman „Die durchs Feuer gehen“ lässt den Mund trocken werden, die Nasenflügel beben und das Herz schneller schlagen. Ist es wirklich so gewesen? Geburt und Tod liegen im Buch des Inders eng beieinander. Während Mr. Jay auf die Geburt seines Kindes wartet, versinkt die indische Stadt Ahmedabad in einem religiösen Krieg, an dessen Ende der Feuertod Tausender Muslime und Hindus steht. „Die durchs Feuer gehen“ ist Kamal Jhas dritter Roman. Der Schriftsteller und Journalist ist derzeit Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. (07.09., 19:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Liebesgeschichten

Neben den politischen und umstrittenen Themen, offenbart das Literaturfestival auch Raum für die ganz großen Angelegenheiten des Lebens wie Leidenschaft und Liebe. Damit hat es auch bei Marie Pohl angefangen. So eine Liebe brachte sie nach Kuba. Die Liebe zerbrach. Doch Marie blieb mutig. Sie folgte einem kubanischen Rasta in dessen Wellblechhütte, wischte geheimnisvolles Blut von Badezimmerkacheln in Irland und aß die unreifen Früchte aus einem Opfergabenkorb auf Bali. Sie tat dies nicht aus purem Leichtsinn, sondern in der Hoffnung, endlich einen echten Geist zu Gesicht zu bekommen. „Geisterreise“ heißt Maries ungewöhnlicher und leidenschaftlicher Reisebericht. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Mit viel Leidenschaft beschreibt auch Priya Basil die unmögliche Liebe zwischen Lina und Anil. Lina widersetzt sich dem Willen ihres Vaters, einem streng gläubigen Moslem, und folgt ihrer Liebe nach Afrika. Doch dort wird es nur noch komplizierter. Während des ILB wird Priya Basil nicht nur ihren Roman „Die Logik des Herzens“ vorstellen, sie fungiert auch als Moderatorin. (16.09., 11:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

A wie Anfänger

Ein Debüt ist immer etwas Besonderes. Es ist eine neue Geschichte mit neuer Stimme und Seele. Manche Debüts platzieren sich ruhig und unauffällig in den Herzen der Leser und Kritiker, andere schlagen ein wie Meteoriten, hinterlassen Krater und wüste Hoffnungen. Auf dem ILB sind beide Erscheinungsformen erlebbar. Das Treffen junger Autoren, kurz „tja“ dient den Berliner Festspielen seit 25 Jahren als Suchmaschine für den literarischen Nachwuchs. In Workshops arbeiten die Teilnehmer des tja an ihren Texten, tauschen sich in offener Atmosphäre mit Schreibprofis aus und präsentieren ihre Texte dem interessierten Publikum. Diesmal dabei: Khesrau Behroz, Clara Ehrenwerth, Stefan Hochgesand, Jule Sonnentag und Lena Stange. (07.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Was haben ein ungeklärter Mord im Jahr 2008 und ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt, miteinander zu tun? Der Leser taucht ab, „Bugatti taucht auf“, so der Titel des Romandebüts von Dea Loher. Sie schrieb bereits mehrere, teils prämierte Theaterstücke und einen Erzählband. Sie lebt in Berlin. (12.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Ist es gut für ein Debüt, wenn sich die Kritiker weltweit nicht einig darüber sind, ob sie es zum Meisterwerk erklären oder als literarische Blamage abtun sollen? Chad Harbach muss das nicht stören, sein Roman ist anders als die anderen Romane – und erfolgreich. „Die Kunst des Feldspiels“ erzählt vom Können und vom Versagen. Jonathan Franzen ist begeistert, „Debütromane von solcher Vollkommenheit und Sogkraft sind sehr, sehr selten.“. (13.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunstzonen

Literatur kann viel. Manche würden sogar so weit gehen und behaupten, Literatur sei Kunst. Ob das so ist und wie es dann ist, wenn es so ist, entscheidet allein der Betrachter für sich. Und natürlich ist es Kunst, wenn Gerhard Falkner, inspiriert durch den Pergamon-Altar auf der Berliner Museumsinsel, „Pergamon Poems“ schreibt und diese dann von Constantin Lieb und Felix von Boehm mit Schauspielern der Berliner Schaubühne verfilmt werden. Oder nicht? „Götterkino“ heißt das Ergebnis. (04.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Einen ganzen Tag lang widmet sich das ILB der bebilderten Erzählung, am sogenannten „Graphic Novel Day“ – zu Gast sind die Autoren, Illustratoren und Künstler Anna Sailamaa, Igort, Veronica Solomon, u.a.. (08.09., 10:00 bis 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunst und Religion, das ist eine komplizierte Angelegenheit, wie erst kürzlich und nicht zuletzt der Prozess gegen Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot verdeutlichte. Kein Grund, es nicht wieder zu wagen. Valère Novarina und Leopold von Verschuer lesen und besprechen 311 Definitionen Gottes – und versuchen sich dabei an der Unbegreiflichkeit des Herrn. (09.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Rabauken-Reime und Orangentage

27 Autoren und Illustratoren präsentiert das diesjährige Kinder- und Jugendprogramm des Internationalen Literaturfestivals Berlin, so viele wie nie zuvor. Sie kommen aus Neuseeland, Polen, Schweden und Simbabwe. Ihre Arbeiten sind komisch, traurig, auch provokant. Manche sind berühmt wie Janne Teller aus Dänemark, andere unbekannt wie Maria Papayanni aus Griechenland. Finn-Ole Heinrich kennt man schon, der kann ganz viel. Er kann Erzählungen und Romane für Erwachsene schreiben, Lieder texten, Hörbücher produzieren, Gedichte dichten – und Geschichten für Kinder erzählen. Sein viel gelobtes Kinderbuch „Frerk, du Zwerg!“ hat er für ein gleichnamiges Bühnenstück umgeschrieben, das während des ILB Premiere feiert. Es gibt Musik, Puppen und ein Geheimnis. (03.09., 10:45 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

2012 gewann das von Andrea Steffen bezaubernd illustrierte Buch „Rabauken-Reime“ von Gerald Jatzek den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, wurde zum schönsten Kinderbuch Österreichs gewählt und wird außerdem von der Stiftung Lesen
empfohlen. Auf dem ILB gibt Jatzek eine Kostprobe seiner wilden Reimerei. Freuen Sie sich in jedem Fall auf den „Schokolöwen“. (07.09., 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)
Der 14 Jahre alte Darek hat es nicht leicht. Seine Mutter ist tot, seine Schwester behindert und sein Vater betrunken. Als Darek Hanka kennenlernt, schöpft er Hoffnung. Hanka riecht nach Orangen. Jetzt könnte alles für immer gut werden. Doch, so einfach ist das Leben selten. „Orangentage“ von der tschechisch-deutschen Autorin Iva Procházková wurde mit dem Kinderbuchpreis LUCHS 2012 ausgezeichnet. (14.09., 12:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Das vollständige Programm des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2012, das Programm der Internationalen Kinder- und Jugendliteratur, sowie alle Autoren- und Künstlerbiografien finden Sie auf http://www.literaturfestival.de.

 

 

 

 

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#FBex, Fundstück, Menschen

T. C. Boyle und ich. #FBex

05. Mai 2012

Wer hat Angst vorm großen Mann? US-Autor T. C. Boyle nach dem Interview in einem Berliner Hotelzimmer. Er amüsiert und ich – passend zum Buch „Wenn das Schlachten vorbei ist“ – im Tierpulli. In diesen Minuten erobert er die Volksbühne in Berlin.

© Lydia Herms | Mai 2012, T. C. Boyle und ich, verwackelt, Berlin

© Lydia Herms | Mai 2012, T. C. Boyle und ich, verwackelt, Berlin

Grit Siwonia farbenähnlichkeit auf dem kopf und um den hals. das passt!

Jack Yl chuck norris?

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#FBex, Fundstück

Kraftklub vs. Lydia. #FBex

22. Jan. 2012

ICH WILL NACH BERLIN – und suche dort eine Wohnung, ab Mai 2012, 2 Zimmer, Balkon gut, aber kein Muss, Miete im Idealfall um die 400 EUR (warm) evtl. auch mehr. Meine Katze muss mit. Stadtteil ist mir grundsätzlich Wurst, entscheide ich vor Ort. Ein bisschen Buntheit wär‘ schön.  Und ich wäre dankbar für jeden Hinweis und Kontakt – ob von Wegziehern, Vermietern oder Szenekennern.

Aileen Kapitza :(

Jonas Kolpin uh. ganz schwieriges thema. diese vorstellungen haben quasi alle. und für das geld bekommst du zur nicht mal dreckslöcher. höchstens dreckslöcher in marzahn. um ärger und zeit zu sparen solltest du dringend über eine budgeterhöhung nachdenken.

Lulus Mum Also meine Lulu wohnt in Pankow und kennt jedes Kino und viel mehr in der Hauptstadt… Lulu Null Vier mal anfragen??? die weiß auch, dass ich immer von dir schwärme…

Jonas Kolpin ick hör mich aber trotzdem um:-)

Lydia Herms @jonas … ja, die erkenntnis ereilte mich schon, schade, das, deswegen das „evtl. mehr“, aber über 500 eur ist momentan einfach nicht drin.

Lydia Herms @romy … das wäre sehr lieb.

Gesine Zeitgeisty Kühne zur Not musste bei Max erstmal in ein Zimmer ziehen… denn der Wohnungsmarkt is echt tight grade 110.000 Menschen sind im letzten Jahr nach Berlin gezogen…

Lydia Herms Lieb, danke, und: ich weiß, aber ich besitze viele Möbel, eine (alte) Katze, der ich mehrmals Umziehen unbedingt ersparen will und derzeit keine Kraft für Privatssphäreteilen.  Ich hoffe und suche.

Sven Engel Schwer, aber nicht unmöglich. Bist wahrscheinlich nur zu früh dran mit Suchen, der Wohnungsmarkt dreht sich hier sehr schnell. Das hier wäre vielleicht was: […]

Lydia Herms … ganz wichtig und grundsätzlich: ich brauche 40 bis 45 qm, nicht mehr, aber 2 seperate räume, die wären wichtig!!

Inzwischen wohne ich schon fast drei Jahre im Wedding, in einer verdammt schönen, schrulligen Wohnung, geräumig, bezahlbar, mit Katze. Hier bin ich zuhause. :*

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#FBex, Fundstück

Das ist Kerry. #FBex

23. Sept. 2011

Das ist Kerry. Ich traf sie heute in Berlin, um ihre Geschichte aufzunehmen. Bin hin- und hergerissen. Muss noch ein bisschen drauf rumkauen. Das Ergebnis ist dann kommende Woche in MEINE ZUKUNFT bei DRadio Wissen zu hören. 

Kerrys Plakat im U-Bahnhof Kochstraße (U6) | Berlin Mitte

Kerrys Plakat im U-Bahnhof Kochstraße (U6) | Berlin Mitte

NACHTRAG:

30. Sept. 2011

„Ich will hier bleiben!“ – findet Kerry Kempton bis zum 10. Okt. keinen Job, wird sie ausgewiesen. Eine von vielen, stimmt, doch nur sie machte mit großformatigen Plakaten in U-Bahnhöfen auf sich aufmerksam. DRadio Wissen sendet(e) heute mein Kerry-Porträt …

17. Nov. 2011

Am Dienstag schrieb Kerry: „Plotzlich nach wochen warten und viele Kämpfen habe ich eine neue Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis. Ich kann das kaum glauben.“. Und am 1.12. beginnt sie zu arbeiten. Als was, muss ich noch erfragen, freue mich so oder so.

PRESSE: taz, migration business

Leider steht mein Radiobeitrag nicht mehr online. Ich plane, ihn auf meinem Soundcloud-Profil online zu stellen.

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Allgemein, Menschen

Spielen wollen wir!

„Verdammt, das gibt’s schon.“ – Mein erster Gedanke, als ich im App Store nach einer Spielplatz-App suchte. Wär‘ ja auch zu schön (und schlimm) gewesen, wenn ich als Nichtmutter als erste darauf gekommen wäre. Ich hätte sie gebaut, die App. Keine Ahnung, wie, aber ich hätte sie gebaut!

Seit ein paar Monaten beschäftigen sie mich, diese sandigen Fantasiebiotope, in denen Stinkewesen, Rostritter und Popelesser nach Zaubersand buddeln. Seitdem ich regelmäßig unregelmäßig in Begleitung eines kleinen Jungen und eines großen Mannes genau diese Plätze aufsuche, bin ich auf der Suche nach den schönsten. Doch die Auswahl ist groß, hier in Berlin. Manche Spielplätze enttäuschten mich: schmutzig, langweilig, oll. Andere ließen mich 25 Jahre jünger sein: aufregend, gemütlich, hell. Und trotzdem ist es manchmal schwer, sie wiederzufinden …

 

„Ich möchte zum großen Turm, Papa.“

 

„Da kann man sogar Bilder hochladen!“ – Mein zweiter Gedanke, nachdem ich die SpielpatzApp* von Bernd Burhoff und Sabine Lindner heruntergeladen und inspiziert hatte. Ich muss sie gar nicht mehr bauen, die perfekte Spielplatz-App, es gibt sie bereits!

Bundesweit, ja, sogar weltweit können alle Nutzer dieser App ein Spielplatz-Netz anlegen, mit Fotos, Beschreibungen und Bewertungen. Man kann seine Favoriten markieren und Verabredungen per SMS organisieren. Man kann innerhalb eines bestimmten Radius‘ suchen, aber auch nach Spielgeräten wie „Reckstange“, oder nach Bewertungen wie „super“. Ich gestehe, mir bereitet nicht nur das Toben vor Ort große Freude, sondern auch das Fotografieren, Anlegen und Beschreiben der Plätze in der App. Die entstand im Rahmen eines Wettbewerbs – und kostet nichts.

 

Links:
www.spielplatzapp.de
www.kittyheider.de

 

*Die App gibt es nur für iPhone und iPad.

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Literatur, Textstelle

Nennen wir es Liebe.

[…] Ich betrachtete sie zwei Stunden lang und betete zu Gott (das einzige Mal in meinem Leben), dass ich sie wie ein Mensch lieben könnte, nicht wie dieser Roboter, der ich bin, wissend, dass ich nicht erhört werden würde. Trotzdem lag ich diesem Gott weiterhin in den Ohren, denn ich wusste haargenau, dass ich hier und jetzt das Wunderschönste in meinem Leben erlebte, das war kein Vorschuss auf ein Glück, sondern schlicht und ergreifend der Höhepunkt meiner Seligkeit, und entsprechend selig saß ich zwei Stunden lang da und blickte auf meine schlafende Frau (denn sie war von dem Moment an meine Frau, als sich ihr Haar an ihrem Hals in das Pfötchen einer Schmusekatze verwandelte), und ich liebte sie von ganzem Herzen mit meinen Augen. […]

Martin Montag in „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir (Rowohlt)

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Literatur, Termin

Lesezeiten.

22. Aug. | Jane Eyre, Teil 1 (von 4), 20:15 Uhr, arte

Ab heute sendet arte in vier Teilen die Verfilmung des Klassikers „Jane Eyre“ (1847) von Charlotte Brontë. Es wird die Geschichte von dem Waisenkind Jane Eyre erzählt, aus dem eine selbstbewusste, unabhängig denkende und fühlende Frau wird, die sich in ihren Vorgesetzten verliebt, in den Gutsbesitzer Edward Rochester. Der ist aber ein ziemlich seltsamer Mann. Und auch das Gut Thornfield Hall ist ein seltsamer Ort. Ein dunkles Geheimnis scheint unter dem Dach bzw. im Nordturm zu wohnen. Jane kann nur schwer ihre Neugier zügeln.

 

Das wird ein schöner Kostümfilmabend, denn Teil 2 läuft gleich im Anschluss um 21:05 Uhr. Die Teile 3 und 4 sendet arte am kommenden Donnerstag, den 29.08., ebenfalls um 20:15 und 21:05 Uhr. Weitere Infos zum Vierteiler gibt’s HIER!

 

Oh, ja, es gibt Wiederholungstermine:

 

Folge 1:

Mo, 02.09. um 13:50 Uhr
Do, 12.09. um 14:00 Uhr

Folge 2:

Mo, 02.09. um 14:40 Uhr
Do, 12.09. um 14:50 Uhr

Folge 3:

Sa, 31.08. um 15:00 Uhr
Di, 03.09. um 13:45 Uhr

Folge 4:

Sa, 31.08. um 15:50 Uhr
Di, 03.09. um 14:35 Uhr

 

24. Aug. | Brandenburg liest II, 15:00 Uhr, Potsdam

Das Sommerfest in der Villa Quandt in Potsdam ist eine Literaturveranstaltung für Kinder und junge Erwachsene. Literarische Gäste sind u.a. Klaus Kordon, Sabine Ludwig, Eva Menasse und Marion Brasch. Los geht’s um 15:00 Uhr.

 

Es gibt Musik, und laut Veranstalter auch Knabberei und Getränke auf der Terrasse der Villa Quandt. Der Eintritt liegt bei 12, ermäßigt 10 EUR. DAS BESTE IST ABER: Kinder und junge Erwachsene bis 16 Jahren bezahlen keinen Eintritt, die kommen einfach so rein. Infos zur Veranstaltung lassen sich HIER finden.

 

30. Aug. | bis 01.09., lit:potsdam 2013, Potsdam

Vom 30.08. bis 01.09.2013 findet das Literaturfestival lit:potsdam an mehreren Orten in Potsdam statt. Mein radioeins-Partner Thomas Böhm und ich sind auch dabei. Am Sonnabend, den 31.08. moderieren wir gemeinsam auf einer kleinen Bühne direkt vorm rbb-Funkhaus. Das nennt man da Babelsberg. Die S-Bahn-Haltestelle heißt aber Griebnitzsee. Um 15:00 Uhr werden wir mit Antje Ravic-Strubel sprechen, und sie wird aus ihrer „Gebrauchsanleitung für Potsdam und Brandenburg“ lesen. Um 16:00 Uhr widmen wir uns dann ausgiebig dem Debüt von Sven Stricker. Der ist Hörspielproduzent, jetzt auch Autor. Sein erster Roman heißt „Schlecht aufgelegt“.

 

Weitere Autoren: Herta Müller, Eugen Ruge, David Wagner, Birk Meinhardt, Markus Feldenkirchen, Eva Menasse, Jenny Erpenbeck, Julia Schoch, Taiye Selasi, Ingo Schulze, u.v.m., auch meine Kollegen Jörg Thadeusz und Knut Elstermann. Das dicke lit:potsdam-Programm gibt’s HIER!

 

31. Aug. | Berliner Buchnacht 2013, Kulturbrauerei

Oha, das wird ein Buchwochenende! Direkt von der lit:potsdam fliege ich zurück nach Berlin in die Kulturbrauerei, um die Lesung mit Katharina Hartwell zu ihrem Debütroman „Das Fremde Meer“ zu moderieren. Darauf freue ich mich sehr. Das Buch ist dick und gewaltig und bilderreich – und es lastet schwer in mir. Es interessiert mich, wie Katharina Hartwell daraus liest und darüber spricht. Um 21:30 Uhr sind wir dran, kommt vorbei!

 

Die Karte für die Buchnacht kostet 15,00, ermäßigt 12,00 EUR. Damit habt Ihr Zugang zu 30 Lesungen innerhalb vieler Stunden, also, von 18:00 bis 1:00 Uhr wird gelesen, los geht’s aber schon um 16:00 Uhr, und als Ende wird 3:00 Uhr angegeben, vielleicht wird getanzt und gesoffen. Das ist doch was?! Ihr braucht noch mehr Namen? Hier: Bas Böttcher, Knud Kohr, Catrin Barnsteiner, Ahne, David Wagner, Marion Brasch, Paul Lukas, Clemens Meyer, Jakob Hein, Mirko Bonné, Götz Aly, Heinz Strunk, Tobias Premper, Ulli Lust, Monika Zeiner, einige von den genannten sind für den Deutschen Buchpreis 2013 nominiert!

 

HIER findet sich das Programm der Berliner Buchnacht.

 

 

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Literatur, Termin

Keine Experimente.

Alles hat seine Zeit. steht auf dem weißen Papier mit Bundesadler im Kopf. Ein edler Füller liegt akkurat daneben. Das Büro ist wie immer tadellos aufgeräumt. Und es ist leer. Der junge Bundestagsabgeordnete Frederik Kallenberg ist verschwunden. Einfach so. Die Kollegen sind verwirrt. Die Bundeskanzlerin wünscht der Familie alles Gute. Die Presse spekuliert. Einer wie Kallenberg haut nicht einfach so ab. Der ist zuverlässig und handelt verantwortungsbewusst. Da muss was passiert sein.

 

Es ist etwas passiert.

 

Frederik Kallenberg stammt aus einem kleinen Dorf im Sauerland, Waldhagen. Da marschieren sie alljährlich zum Schützenfest, lobpreisen das Bier und beenden jeden zweiten Satz mit woll. Er ist 16, als ihn Jürgen aus der Klasse auf dem Moped zum Treffen der jungen Konservativen mitnimmt. Kallenberg hat keine Ahnung von Politik. Das ändert sich schnell. Und nur 20 Jahre später sitzt er im Bundestag, pendelt allwöchentlich vom großen Berlin ins kleine Waldhagen, wo er mit seiner Familie lebt. Von den Nachbarn wird er bewundert, von den politischen Gegnern unterschätzt. Sein Steckenpferd ist die Familienpolitik, der Dorn in seinem Auge ist der Feminismus.

Bis zu seinem Verschwinden führte er ein Bilderbuchleben, allerdings aus einem ziemlich alten Bilderbuch, so von 1950, vielleicht. Kallenberg liebt Julia, seine Ehefrau, die ist sanftmütig, harmoniebedürftig, tapfer. Die beiden Söhne sind 5 und 15 Jahre alt. Das da zwischen Julia und Frederik ist die eine große, wahre, reine Liebe. Da geht nichts drüber. Kallenberg glaubt an die klassische Ehe zwischen Mann und Frau. Und daran, dass der Feminismus die Menschheit unglücklich macht, die Scheidungsrate sei auch deswegen so hoch, genau wie die Zahl der Kinder mit Knacks. Die Rollenverteilung „er arbeitet, sie kümmert sich um die Kinder“ ist für ihn die einzig vernünftige. Zudem macht er jedes Jahr Urlaub am gleichen Ort, bucht ungern etwas im Internet, und glaubt an Gott. Scheinheiligkeiten und Zweideutigkeiten widern ihn an. Ja, Kallenberg ist altmodisch und fromm. Seine Welt ist heil.

 

Scheinbar, ja.

 

Frederik Kallenberg verliert die Kontrolle. Bewahrtes Glück, auf Ritualen aufbauend, das ist sein Leben. Während einer Podiumsdiskussion trifft er auf eine junge, selbstbewusste Frau, eine Feministin, ohne Haare auf den Zähnen und in den Achselhöhlen. Sie ist 10 Jahre jünger als er, unabhängig, herzlich, aufbrausend, umtriebig. Und sie trägt bunte Strümpfe. Liane, so ihr Name, ist das Höllenfeuer, vor dem er sich Frederik Kallenberg immer sicher wähnte. Liane ist ganz anders als seine Julia. Und es gefällt ihm. Wie kann das sein? Kallenberg tut etwas, was er sich nie erlauben wollte: er missachtet sein eigenes Regelwerk, das, woran er glaubt. Es macht PENG! Alles verschwindet. Kallenberg verschwindet …

 

 

Markus Feldenkirchen muss etwas besitzen, wovon ich schon ein Leben lang träume: einen Rekorder, der Gedanken und Erinnerungen einfängt, so, dass sie später notiert echt sind. Ich habe gesehen, wie der kleine Kallenbach im Kinderzimmer unter Zwangshandlungen litt, kaum noch schlief, auf die Mutter wartete und sich für den versoffenen Vater schämte. Ich spürte die Erregung, als er mit Ende 30 erstmals von einer anderen Frau, als seiner eigenen berührt wird. Ich hoffte, er würde zur Vernunft kommen, wenn er sich über die moralischen Verfehlungen der anderen echauffierte, und ich sehnte mich nach seiner heilen Welt.

Feldenkirchen erzählt mit großen Bildern und vielen kleinen Details eine Geschichte von einem Menschen, der lernen muss, dass Prinzipien blockieren können, dass es wichtig ist, Entscheidungen zu treffen, selbst wenn die Vernunft meilenweit entfernt scheint. Das Leben ist nicht zu 100% planbar. Und die Ehe ist nicht heilig. Und ja, es geht natürlich auch um Politik, um den Zirkus, und dabei wird keine Partei verschont oder verherrlicht. Ich gestehe: Ich bin dankbar für dieses Buch. Bitte lesen.

 

rbb radioeins | FAVORIT BUCH | 18.07.2013 | Lydia Herms über "Keine Experimente" von Markus Feldenkirchen

rbb radioeins | FAVORIT BUCH | 18.07.2013 | Lydia Herms über „Keine Experimente“ von Markus Feldenkirchen

 

Markus Feldenkirchen: „Keine Experimente“
Kein & Aber, 399 S., 22,90 EUR, HC inkl. eBook

 

Di, 13. Aug. 2013 | 20:00 Uhr | Buchhandlung Georg Büchner am Kollwitzplatz in Berlin (Prenzlauer Berg) | Markus Feldenkirchen liest aus KEINE EXPERIMENTE | Eintritt: tba.

So, 01. Sept. 2013 | 13:00 Uhr  | Festival lit:potsdam | Lesungen und Gespräche: Markus Feldenkirchen, David Wagner, Birk Meinhardt über Lebensstrategien | Moderation: Christine Thalmann | Hans Otto Theater / Neues Theater (Glasfoyer) | Karten: 15,00 €

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Literatur, Termin

Berlin liest.

Herrschaften, wie wär’s: einmal im Mittelpunkt stehen?! Nackt Tram fahren, betrunken Joseph & Maria spielen und eine Kaffeemaschine in der Nähe eines U-Bahnhofs abstellen, so schwer ist das nicht; da würde mir noch mehr einfallen. Aber ich meine natürlich nicht den Mittelpunkt des Universums der Peinlichkeiten, ich meine die urbane Bühne des Freigeistes. Hahahaha. Hust.

 

»Zur Sache, Schätzchen.«

 

Berlin liest. So nennt das internationale literaturfestival berlin (ilb) eine für den 4. Sept. 2013 (Mittwoch) geplante Leseperformance, anlässlich der 13. Ausgabe dieser aufregenden, literarischen Veranstaltungsreihe, über die ich an anderer Stelle noch schreiben werde. Bereits im vergangenen Jahr beteiligten sich, so die ilb-Presseabteilung, „weit über 100 TeilnehmerInnen, u. a. Autoren, Freunde des Festivals, Schauspieler, Buchhändler, Bibliothekare und mit uns kooperierende Lehrer“, in ganz Berlin. In allen Stadtteilen saßen und standen Menschen an frei gewählten Orten – und lasen vor. 2013 könnt ihr dabei sein. Ihr braucht:

  1. Ort in Berlin – ob in der U8 zw. Osloer Straße und Moritzplatz oder auf der Schaukel im Mauerpark, ihr entscheidet, wo.
  2. Lieblingsbuch – euer Auszug daraus sollte gelesen zwischen 5 und 15 Minuten lang sein, jede Sprache ist erlaubt.
  3. Zeit am 4.9. – zw. 6:00 und 17:30 Uhr soll gelesen werden; wann genau ihr dran seid, erfahrt ihr, vermute ich*, vom ilb.
  4. Freu(n)de – macht ein kleines Fest daraus, so, mit Sekt und Selters, und Fotoapparaten, die das Geschehen einfangen.

Habt ihr all das zusammen, informiert bitte bis zum 19. Aug. 2013 (Montag) das ilb über euren Plan:

internationales literaturfestival berlin (ilb)

Per Email an berlinliest@literaturfestival.com, per Post an internationales literaturfestival berlin, Ulrich Schreiber / co. berlin liest, Chausseestr. 5, 10115 Berlin oder per Fax an 030 27 87 86 85. Zwei Wochen vor dem Festival sind alle Lesungen auf der ilb-Website und auf Facebook abrufbar. Solltet ihr in einer Fremdsprache lesen wollen, schreibt es bitte dazu. So. Fertig. Los!

 

 

*Kläre ich noch, habe heute keinen mehr erreicht.

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