#FBex, Fundstück, Literatur

Literaturtelefon? #FBex

07. Nov. 2012

Literaturtelefon? Ich bin angetan. Gleich mal anrufen…

[…] Mitte der 70er Jahre stieß der Kieler Literatur-Student Michael Augustin in London auf eine Zeitungsanzeige: „Dial a poem – Ruf ein Gedicht an!“ Diese Idee begeisterte den jungen Autor so sehr, dass er nach seiner Rückkehr gemeinsam mit dem damaligen Kulturdezernenten Dieter Opper ein ähnliches Projekt, das Kieler Literaturtelefon, das erste in Deutschland, ins Leben rief. […]

[…] Die Kieler Autoren und Literatur-Event-Veranstalter Björn Högsdal und Patrick Kruse, die unter dem Label assembleART.com firmieren und die unter anderem das Format Poetry Slam in Kiel und darüber hinaus etabliert haben, sowie der Kieler Journalist, Autor und Literatur-Blogger Jörg Meyer treten als Triumvirat an. Sie wollen das Literaturtelefon in eine neue multimediale und global vernetzte Zukunft führen. über die Möglichkeiten des Internet wollen die drei vor allem junge Hörerschaften für das gesprochene Wort gewinnen, jene, die über die zwei Kupferdrähte der Telekom nicht nur telefonieren, sondern sich weltweit ins Netz klicken. Dabei sollen diejenigen, die sich nach wie vor über Dichtung am Telefon freuen, nicht vergessen werden. Seit April 2007 ist das Kieler Literaturtelefon also wie gewohnt unter der Rufnummer 0431/901-8888 (neue Rufnummer seit 1.10.2014) und zusätzlich im Internet unter www.literaturtelefon-online.de erreichbar – allerdings wechseln die Beiträge nicht mehr im wöchentlichen, sondern 14-tägigen Rhythmus. […]

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ilb 2012, (m)ein Text. #FBex

06. Sept. 2012

NACHTRAG: Ich habe mich erstmals im Netztexten für den rbb versucht – anlässlich des ILB 2012. Ungewohnte Länge, strenge Abnahme, geliebtes Format. TEXT.

Der Link zum Text auf rbb-online.de ist inzwischen nicht mehr aktiv, deshalb hier mein Text im Blog:

EUROPE NOW – Internationales Literaturfestival Berlin 2012

ein Text von Lydia Herms | 30. Aug. 2012

Das ILB 2012 ist nicht einfach nur ein Fest für Autoren, die gut vorlesen, und Leser, die gut zuhören – es ist ein Treffen der großen und kleinen Literaten aus aller Welt, ein Event, bei dem es um Kunst, Politik und andere Leidenschaften geht. Und natürlich um’s Erzählen. Am 04. Sept. ist es endlich wieder soweit.

Zuerst die Zahlen: An 12 Tagen werden 186 Autoren aus 56 Ländern während 126 Veranstaltungen sich und ihre Bücher dem Berliner Publikum vorstellen. Jetzt die Idee: „Europe Now“ ist das Kernthema, der Fokus, auf den sich alles konzentriert, der als „literarischer Rettungsschirm“ verstanden werden darf. Was ist Europa, was passiert in Europa und wie sehen Literaten und Künstler auf anderen Kontinenten dieses Europa? Klingt politisch; das ist gewollt.

„Wir sind ein politisches Festival. Jeder Besucher entscheidet für sich, wie politisch.“ (Ulrich Schreiber, ILB, Festivalleiter)

Bereicherungen

Eine Benefizveranstaltung für die in Russland verurteilten und inhaftierten Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot (08.09.2012, 19:30 Uhr) machen das Literaturfestival ebenso politisch, wie das Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Soziologen Richard Sennet und dem deutschen Philosophen Richard David Precht darüber, „was unsere Gesellschaft zusammenhält“ (11.09.2012, 21:00 Uhr).

„Europe Now heisst: zu verstehen, dass es in Europa immer mindestens 27 verschiedene Standpunkte gibt – und alle gleich ernst zu nehmen und als Bereicherung zu empfinden. Europa ist ein Prozess, eine Erfahrung. Und die wird immer reicher und immer wichtiger.“ (Thomas Böhm, ILB, Programmleiter)

Grenzüberschreitungen

Reich an Erfahrung sind sie, die Macher des ILB. Für Festivalleiter Ulrich Schreiber ist es das 12., für Programmleiter Thomas Böhm das erste. In Köln arbeitete der jahrelang für das ansässige Literaturhaus. Gemeinsam mit dem Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, mit dem Leiter des Kinder- und Jugendprogramms, Christoph Peter und einem fachkundigen Team, entstand ein Programm, das vor allem die bislang unerhörten Geschichten hörbar machen, die gewachsenen Grenzen zwischen Religionen, Kulturen und Wahrnehmungen verständlich und überwindbar machen sollen.

„Festivals, und ein Festival wie das Internationale Literaturfestival insbesondere, sind sehr gute Möglichkeiten solche Grenzüberschreitungen zu verstehen und zu erfahren. Vielleicht gibt es, im gelungenen Fall, keine Grenzen?“ (Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele)

Hochkarätiger Start

Am 4. Sept. um 18:00 Uhr wird das Internationale Literaturfestival Berlin 2012 offiziell mit einer Rede des chinesischen Dichters und Dissidenten Liao Yiwu zum Thema „Geschichte – Exil – Kunst“ im Haus der Berliner Festspiele eröffnet. Liao Yiwu gelang erstmals 2010 und mit Hilfe des ILB die Ausreise nach Deutschland, zu einer Lesung in Berlin. Der Chinese widmet seine Rede dem 17. Gyalwa Karmapa, dem dritthöchsten Würdenträger des buddhistischen Lamaismus nach dem Dalai Lama und dem Panchem Lama.

Gleich im Anschluss liest Regie-Koryphäe Robert Wilson aus seiner Oper „Einstein On The Beach“, die in Zusammenarbeit mit Philipp Glass entstand, und erstmals 1976 in Avignon aufgeführt worden war. In Berlin war „Einstein On The Beach“ zuletzt 2005 zu erleben, im Januar 2013 wird das ungewöhnliche Stück in Amsterdam aufgeführt. Die Frage, wie Wilson aus einer Minimal-Pop-Oper – geschrieben für Geige, Chor, Synthesizer und Blasinstrumente – rezitieren wird, macht gewaltig neugierig.

Weitere Publikumsmagneten während des Festivals sind Nobelpreisträgerin Hertha Müller (06.09., 19:30 Uhr), die erstmals ihre dritte Sammlung von Gedichtcollagen unter der Überschrift „Vater telefoniert mit den Fliegen“ präsentiert; John Green, der aus seinem neuen, weltweit viel gelobten und sehr verstörenden Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vorlesen wird (11.09., 9:00 und 19:30 Uhr); außerdem Georg Seeßlen mit Markus Metz (05.09., 19:00 Uhr), David Mitchell (10.09., 21:00 Uhr) und Zeruya Shalev (14.09., 21:00 Uhr).

Jemand Unbekanntes

Solange es noch etwas zu entdecken gibt, kann keine Langeweile aufkommen. Dies gilt auch für das Internationale Literaturfestival Berlin. Unbedingt empfehlenswert: Abdol Khal. Seinen ersten Roman schrieb er mit 17 Jahren. Heute, 43 Jahre später, kann er stolz auf mehrere Romane, Erzählbände und die Auszeichnung mit dem International Prize for Arabic Fiction für seinen Roman „Tarmi bi Sharar“ (2007; übersetzt: „Funken sprühen so groß wie Schlösser“) blicken. Und das, obwohl einige seiner Bücher in Saudi-Arabien wegen „unmoralischer Themen“ verboten sind. Bislang erschien keines seiner Bücher auf Deutsch. Vielleicht wird sich das ändern, wenn er hierzulande „Spewing Sparks As Big As Castles“ vorgestellt hat, die Geschichte eines Auftragsmörders in Diensten eines mysteriösen und sadistischen Palastbesitzers, der sich an den gefilmten Aufnahmen der gequälten Besucher seines Hauses erfreut. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Eigentlich ist Ma Thida aus Myanmar (ehemals Burma bzw. Birma) Chirurgin, doch ihre große Leidenschaft neben der Medizin ist das Schreiben. Ihr sowohl medizinisches, als auch schriftstellerisches Engagement für die Demokratiebewegung in ihrer Heimat führten 1993 zur Festnahme, Verurteilung und Inhaftierung. Seit ihrer Freilassung im Jahr 1999 reist sie um die Welt, nimmt an Schriftstellerprogrammen, Podiumsdiskussionen und Literaturfestivals teil. Während des ILB stellt sie ihren aktuellen Roman „The Roadmap“ vor, für den sie 2011 mit dem Norwegischen „Freedom of Speech Award“ geehrt wurde. Das Buch beschreibt die Veränderungen in Myanmar anhand einer Familiengeschichte über zwei Jahrzehnte hinweg. (15.09., 15:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Es ist ein Thriller, eine Liebesgeschichte und eine politische Satire, die Antonio Ungar in seinem Roman „Drei weiße Särge“ erzählt. Der Kolumbianer zählt zu den aufregendsten Autoren zeitgenössischer Literatur seines Landes. Ungar hat europäische Wurzeln. Seine jüdischen Großeltern stammen aus Wien in Österreich. Als Journalist schreibt er für internationale Magazine. Seine erste schriftstellerische Publikation hatte er bereits im Jahr 1999. (14.09., 19:30 Uhr, Instituto Cervantes)

Schmerztherapie

Manchmal muss es weh tun, damit etwas gespürt wird. Und manchmal muss es fiktiv sein, damit es geglaubt wird. Das Internationale Literaturfestival Berlin sieht sich auch als Festival des Widerstands und Kampfes. Die Scheuklappen werden abgelegt. Amir Hassan Cheheltan beschreibt das nackte Grauen. In seinem Roman „Teheran, Stadt ohne Himmel“ lässt er den Direktor eines Foltergefängnisses für politisch Gefangene mal Mensch, mal Monster sein. Dieses Werk erschien bisher nur in Deutschland unzensiert. (06.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Auch Raj Kamal Jhas Roman „Die durchs Feuer gehen“ lässt den Mund trocken werden, die Nasenflügel beben und das Herz schneller schlagen. Ist es wirklich so gewesen? Geburt und Tod liegen im Buch des Inders eng beieinander. Während Mr. Jay auf die Geburt seines Kindes wartet, versinkt die indische Stadt Ahmedabad in einem religiösen Krieg, an dessen Ende der Feuertod Tausender Muslime und Hindus steht. „Die durchs Feuer gehen“ ist Kamal Jhas dritter Roman. Der Schriftsteller und Journalist ist derzeit Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. (07.09., 19:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Liebesgeschichten

Neben den politischen und umstrittenen Themen, offenbart das Literaturfestival auch Raum für die ganz großen Angelegenheiten des Lebens wie Leidenschaft und Liebe. Damit hat es auch bei Marie Pohl angefangen. So eine Liebe brachte sie nach Kuba. Die Liebe zerbrach. Doch Marie blieb mutig. Sie folgte einem kubanischen Rasta in dessen Wellblechhütte, wischte geheimnisvolles Blut von Badezimmerkacheln in Irland und aß die unreifen Früchte aus einem Opfergabenkorb auf Bali. Sie tat dies nicht aus purem Leichtsinn, sondern in der Hoffnung, endlich einen echten Geist zu Gesicht zu bekommen. „Geisterreise“ heißt Maries ungewöhnlicher und leidenschaftlicher Reisebericht. (12.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Mit viel Leidenschaft beschreibt auch Priya Basil die unmögliche Liebe zwischen Lina und Anil. Lina widersetzt sich dem Willen ihres Vaters, einem streng gläubigen Moslem, und folgt ihrer Liebe nach Afrika. Doch dort wird es nur noch komplizierter. Während des ILB wird Priya Basil nicht nur ihren Roman „Die Logik des Herzens“ vorstellen, sie fungiert auch als Moderatorin. (16.09., 11:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

A wie Anfänger

Ein Debüt ist immer etwas Besonderes. Es ist eine neue Geschichte mit neuer Stimme und Seele. Manche Debüts platzieren sich ruhig und unauffällig in den Herzen der Leser und Kritiker, andere schlagen ein wie Meteoriten, hinterlassen Krater und wüste Hoffnungen. Auf dem ILB sind beide Erscheinungsformen erlebbar. Das Treffen junger Autoren, kurz „tja“ dient den Berliner Festspielen seit 25 Jahren als Suchmaschine für den literarischen Nachwuchs. In Workshops arbeiten die Teilnehmer des tja an ihren Texten, tauschen sich in offener Atmosphäre mit Schreibprofis aus und präsentieren ihre Texte dem interessierten Publikum. Diesmal dabei: Khesrau Behroz, Clara Ehrenwerth, Stefan Hochgesand, Jule Sonnentag und Lena Stange. (07.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Was haben ein ungeklärter Mord im Jahr 2008 und ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt, miteinander zu tun? Der Leser taucht ab, „Bugatti taucht auf“, so der Titel des Romandebüts von Dea Loher. Sie schrieb bereits mehrere, teils prämierte Theaterstücke und einen Erzählband. Sie lebt in Berlin. (12.09., 19:00 Uhr, Institut Français)

Ist es gut für ein Debüt, wenn sich die Kritiker weltweit nicht einig darüber sind, ob sie es zum Meisterwerk erklären oder als literarische Blamage abtun sollen? Chad Harbach muss das nicht stören, sein Roman ist anders als die anderen Romane – und erfolgreich. „Die Kunst des Feldspiels“ erzählt vom Können und vom Versagen. Jonathan Franzen ist begeistert, „Debütromane von solcher Vollkommenheit und Sogkraft sind sehr, sehr selten.“. (13.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunstzonen

Literatur kann viel. Manche würden sogar so weit gehen und behaupten, Literatur sei Kunst. Ob das so ist und wie es dann ist, wenn es so ist, entscheidet allein der Betrachter für sich. Und natürlich ist es Kunst, wenn Gerhard Falkner, inspiriert durch den Pergamon-Altar auf der Berliner Museumsinsel, „Pergamon Poems“ schreibt und diese dann von Constantin Lieb und Felix von Boehm mit Schauspielern der Berliner Schaubühne verfilmt werden. Oder nicht? „Götterkino“ heißt das Ergebnis. (04.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Einen ganzen Tag lang widmet sich das ILB der bebilderten Erzählung, am sogenannten „Graphic Novel Day“ – zu Gast sind die Autoren, Illustratoren und Künstler Anna Sailamaa, Igort, Veronica Solomon, u.a.. (08.09., 10:00 bis 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Kunst und Religion, das ist eine komplizierte Angelegenheit, wie erst kürzlich und nicht zuletzt der Prozess gegen Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot verdeutlichte. Kein Grund, es nicht wieder zu wagen. Valère Novarina und Leopold von Verschuer lesen und besprechen 311 Definitionen Gottes – und versuchen sich dabei an der Unbegreiflichkeit des Herrn. (09.09., 21:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Rabauken-Reime und Orangentage

27 Autoren und Illustratoren präsentiert das diesjährige Kinder- und Jugendprogramm des Internationalen Literaturfestivals Berlin, so viele wie nie zuvor. Sie kommen aus Neuseeland, Polen, Schweden und Simbabwe. Ihre Arbeiten sind komisch, traurig, auch provokant. Manche sind berühmt wie Janne Teller aus Dänemark, andere unbekannt wie Maria Papayanni aus Griechenland. Finn-Ole Heinrich kennt man schon, der kann ganz viel. Er kann Erzählungen und Romane für Erwachsene schreiben, Lieder texten, Hörbücher produzieren, Gedichte dichten – und Geschichten für Kinder erzählen. Sein viel gelobtes Kinderbuch „Frerk, du Zwerg!“ hat er für ein gleichnamiges Bühnenstück umgeschrieben, das während des ILB Premiere feiert. Es gibt Musik, Puppen und ein Geheimnis. (03.09., 10:45 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

2012 gewann das von Andrea Steffen bezaubernd illustrierte Buch „Rabauken-Reime“ von Gerald Jatzek den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, wurde zum schönsten Kinderbuch Österreichs gewählt und wird außerdem von der Stiftung Lesen
empfohlen. Auf dem ILB gibt Jatzek eine Kostprobe seiner wilden Reimerei. Freuen Sie sich in jedem Fall auf den „Schokolöwen“. (07.09., 18:00 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)
Der 14 Jahre alte Darek hat es nicht leicht. Seine Mutter ist tot, seine Schwester behindert und sein Vater betrunken. Als Darek Hanka kennenlernt, schöpft er Hoffnung. Hanka riecht nach Orangen. Jetzt könnte alles für immer gut werden. Doch, so einfach ist das Leben selten. „Orangentage“ von der tschechisch-deutschen Autorin Iva Procházková wurde mit dem Kinderbuchpreis LUCHS 2012 ausgezeichnet. (14.09., 12:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele)

Das vollständige Programm des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2012, das Programm der Internationalen Kinder- und Jugendliteratur, sowie alle Autoren- und Künstlerbiografien finden Sie auf http://www.literaturfestival.de.

 

 

 

 

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#FBex, Fundstück, Literatur

Die sei wie sie sei, basta. #FBex

15. Aug. 2012

15 Jahre radioeins – JUCHUH! Und die berliner-zeitung.de berichtet u.a. dass ich vor 15 Jahren im Zerbster Schlosspark herumlungerte. Wohl wahr!

Fast erwachsen – Von Ulrike Simon

„[…] An den Bekanntheitsgrad der von 4U gekommenen ehemaligen Krankengymnastin Anja Caspary und des auch als Kolumnist der Berliner Zeitung geschätzten Jörg Thadeusz kommt Lydia Herms noch nicht heran. Dafür ist sie viel zu kurz bei Radio eins. Als der Sender vor 15 Jahren startete, dürfte die gebürtige Magdeburgerin mit ihren damals 16 Jahren gerade im Schlosspark in Zerbst oder abends im Jugendklub herumgelungert haben. Inzwischen moderiert sie sonntags mit Frank Meyer die „Literaturagenten“. Das Buch, das sie am meisten geprägt hat, war Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“. Als sie ihre Interpretation in der 11. Klasse vortrug, habe ihr Lehrer eigens für sie die Unterrichtsstunde verlängert, erzählt Herms. Mit Literatur Hörer zu begeistern, lag ihr offensichtlich früh. Nach ihrem Architekturstudium in Dessau, wo Radio eins zumindest in ihrer WG und auf der Autobahn zu empfangen war, arbeitete sie bei MDR Sputnik, später beim Kindersender Figarino. Kritik an ihrer jungen Stimme begegnet sie selbstbewusst. Die sei wie sie sei, basta. […]“

NACHTRAG:

Endlich Seite 26 – berliner-zeitung.de vom 15. August 2012. Katze hockt schon drauf.

© Lydia Herms | Aug. 2012, Berliner Zeitung

© Lydia Herms | Aug. 2012, Berliner Zeitung

Franziska Jentzen die beste stimme im radio- wirklich, du bist meine lieblingsstimme. :))))

Grit Siwonia woooohoooooo!!!!

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#FBex, Fundstück, Literatur

Die leise Wolke. #FBex

09. Aug. 2012

Vor 50 Jahren starb Hermann Hesse. In meinen Gedanken bin ich ihm oft begegnet, habe ihm beim Schreiben und Malen zugesehen. Ich kann nicht behaupten, dass ich sein Werk gut kenne, aber einige seiner Bücher und Gedichte lese ich immer wieder, liebe ich. Vor allem das:

Die leise Wolke

Eine schmale, weiße
Eine sanfte, leise
Wolke weht im Blauen hin.
Senke deinen Blick und fühle
Selig sie mit weißer Kühle
Dir durch blaue Träume ziehen.

Siddhartha im Schwarzwald – Von Andreas Maier (für DIE ZEIT)

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#FBex, Fundstück, Literatur

Kracht. #FBex

20. Febr. 2012

Diez hat Kracht nicht verstanden. Ich kann nicht behaupten, dass ich Kracht immer verstehen würde und am neuen Buch sitze ich noch, aber Kracht soviel Dummheit zu unterstellen, ist … hm … gruselig?! Mein Herz schlägt mal wieder für die ZEIT: „Bitte keine Skandalisierung“ von David Hugendick

„[…] Trotzdem hat der Literaturbetrieb nun so etwas wie die obligatorische Frühjahrsrandale. Wurde nach Hegemann wohl wieder Zeit. Wie in Vorausahnung schrieb Peter Richter vor Erscheinen des Romans in derFrankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung : Man könne „Wetten abschließen, wann der erste Depp über das Stöckchen springt, das Krachts wichtigtuerischer Erzähler ihm hinhält, und Engelhardt, den Erzähler oder sogar Kracht selbst zum Nazi erklärt.“ Nun ist Georg Diez, der Autor des Spiegel -Textes, alles andere als ein Depp. Und obwohl man ihm an seinem durchaus als Abrechnung zu verstehenden Artikel vorwerfen kann, dass er Romanzitate aus ihrem parodistisch gedachten Zusammenhang nimmt: Unrecht hat er zunächst damit nicht, wenn – mit Verweis auf Krachts Korrespondenz mit dem Musiker David Woodard –  er dem Schriftsteller eine kokette Faszination fürs Totalitäre bescheinigt. Die Frage ist eben nur, was er mit dem Attest macht. […]“

Tina Cornils Die Kulturredaktion von HR 2 und DLF hat ihn jedenfalls in den Himmel und über den grünen Klee gelobt! Nix rechtes Lager sogar genau das Gegenteil wurde hier satirisch hervorgehoben! Aber verstehen kann man Kracht einfach nicht immer! Was der Spiegel da über ihn zusammenfabuliert ist echt extrem hanebüchen!

 

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Fundstück, Literatur

Bild + Text = Karte.

Guckt mal, es gibt Karten mit Geschichten drauf, schöne Karten, zum Auf- und Zuklappen. Sie heißen: STORYCARDS. Sie lassen sich im Umschlag versenden. Wer die Geschichte jedoch behalten möchte, um Alternativen zum Zahnpastatubenaufdruck im Badezimmer, oder um ein ablenkendes Lesezeichen für die Pflichtfachlektüre zu haben, der kann die Illustration vorsichtig vom Textleib trennen und als Postkarte nutzen, sie also versenden, beschrieben und frankiert, mit 45 oder 75 Cent, falls Ihr gerade darüber nachdenkt, sofern Ihr die Karte nicht persönlich überreichen möchtet. Karten sind kostbar…

STORYCARDS von Circle of Joy - www.circleofjoy.com

STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

Ganz neu ist das Grußkarten-Set BERLIN I bis IV – mit Geschichten von Wladimir Kaminer (2 Geschichten), Lea Streisand und Thilo Bock, illustriert von Martin Haake. Dessen Arbeiten gefallen mir. Vor dem verbeuge ich mich. Tief. Wladimir kennt jeder, Lea kenne ich aus’m Radio, und Thilo ist ein bisschen irre. Ich traf ihn schon, zum Interview, vor 100 Jahren; war gut.

BERLIN I bis IV – STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

BERLIN I bis IV – STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

Leider sind diese schönen Karten derzeit wohl nur bei Amazon erhältlich. Es soll jedoch Alternativen geben, schreiben die Macher auf deren Internetseite, schon jetzt, oder vielleicht bald. Ich recherchiere das. Weitere IllustratorInnen-Namen konnte ich in der Hitze der Euphorie über das Fundstück auch noch nicht in Erfahrung bringen. Und jedes Mal, wenn ich den Firmennamen lese, habe ich schmutzige Gedanken. Aber wir sind ja alle schon groß – und geübt im Zusammenreißen. Ich schreibe.

www.circleofjoy.com

STORYCARDS von Circle of Joy – www.circleofjoy.com

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Helma, Literatur

Nicht, dass ich getrunken hätte, aber ich schlief so schlecht, dass ich mich frage, warum ich nicht einfach durchgemacht habe. Dann ginge es mir besser. ‚Schlecht geschlafen‘ trifft es nicht genau, gebe ich zu. Die Nacht war sehr bereichernd. Immerhin weiß ich jetzt, warum er geht, und ich bleibe. Ich kenne die Gründe für den Verlust. Ich weiß, wer mir Böses wünscht, wann wer mit wem in einem Garten sitzt und über mich lacht. Ich weiß nun ganz viel – tatsächlich aber nichts. Hirngespinste, Wahnvorstellungen, Albträume. Könnte ich einfach zur freundlichen Hausärztin gehen und sie bitten, mir etwas zu geben, damit das aufhört? Vielleicht etwas zum Trinken, wie Tropfen, die man abzählt und verdünnt. Und dann verschlingt. Und wartet. Bis alles verklingt.

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Zitat
Literatur, Textstelle

Ich und Kaminski.

[…] In einem Restaurant am Hauptplatz bekam ich einen miserablen Thunfischsalat. Um mich saßen Urlauber, Kinder krähten, Väter blätterten in Landkarten, Mütter stachen Gabeln in riesige Kuchenportionen. Die Kellnerin war jung und nicht hässlich, ich rief nach ihr: Zuviel Öl im Salat, sie solle ihn wieder mitnehmen! Das wolle sie gern tun, sagte sie, aber bezahlen müsse ich trotzdem. Ich hätte aber, sagte ich, fast nichts davon gegessen. Das sei meine Sache, sagte sie. Ich verlangte nach dem Geschäftsführer. Sie sagte, der würde erst am Abend kommen, ich könne aber warten. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte, sagte ich und zwinkerte ihr zu. Ich aß den Salat auf, doch als ich bezahlen wollte, kam nicht sie, sondern ein breitschultriger Kollege. Ich gab kein Trinkgeld. […]

Sebastian Zöllner in „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann (Suhrkamp) – ein Geschenk, als unerwartete Buchpost lag es in meinem Briefkasten, versehen mit einer kurzen, aber liebevollen Widmung. Mein Dank ist groß; das Buch ist toll.
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Nachtrag:

Noch in diesem Jahr, wann genau, vermag ich nicht zu sagen, eine kurze Recherche im Netz brachte kein konkretes Datum zu Tage, kommt die Verfilmung von Kehlmanns „Ich und Kaminski“ in die deutschen Kinos. Regie führte Wolfgang Becker. Den kenne ich nicht. Dafür aber den Hauptdarsteller. Hört mich seufzen. Daniel Brühl spielt den Zöllner, ein Schauspieler, mit dem ich nichts anfangen kann. Eine Abneigung, die ich nicht in Worte fassen kann. Vielleicht erinnert er mich an jemanden. Vielleicht ist er dann aber doch die Idealbesetzung, denn Zöllner ist ein feiger Vogel, ohne Profil und ohne eigene Meinung. Den alten ignoranten Maler Manuel Kaminski spielt ein Mann namens Jesper Christensen.

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Literatur, Textstelle

Nennen wir es Liebe.

[…] Ich betrachtete sie zwei Stunden lang und betete zu Gott (das einzige Mal in meinem Leben), dass ich sie wie ein Mensch lieben könnte, nicht wie dieser Roboter, der ich bin, wissend, dass ich nicht erhört werden würde. Trotzdem lag ich diesem Gott weiterhin in den Ohren, denn ich wusste haargenau, dass ich hier und jetzt das Wunderschönste in meinem Leben erlebte, das war kein Vorschuss auf ein Glück, sondern schlicht und ergreifend der Höhepunkt meiner Seligkeit, und entsprechend selig saß ich zwei Stunden lang da und blickte auf meine schlafende Frau (denn sie war von dem Moment an meine Frau, als sich ihr Haar an ihrem Hals in das Pfötchen einer Schmusekatze verwandelte), und ich liebte sie von ganzem Herzen mit meinen Augen. […]

Martin Montag in „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir (Rowohlt)

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Funk, Literatur

Alle meine Buchmomente.

Info: DRadio Wissen heißt jetzt Deutschlandfunk Nova. Meine Buchmomente findet ihr künftig bzw. weiterhin hier (zum Hören) und hier (zum Herunterladen). Abonniert gern den Podcast, wenn ihr regelmäßig mit meinen kleinen Hörspielen beliefert werden wollt. Oder sucht danach mithilfe der neuen App des Deutschlandradios, die alle drei Programme vereint. Und wenn das alles nichts ist, hört mich bei Spotify. (Mai 2017) 

 

Danke.

 

Woche für Woche darf ich – unterstützt von einer großartigen Redaktion – beim jungen Sender DRadio Wissen, dem dritten Programm des Deutschlandradio, ein Buch vorstellen, ganz egal, wie dick, wie traurig oder wie seltsam es ist. Auch spielt es keine Rolle, wann es erstmals erschien. Was zählt, ist, dass das Buch noch erhältlich ist, neu oder antiquarisch. Und zu einem besonderen Moment muss es passen. So ein Moment, in dem wir uns wünschen, ihn anhalten, auskosten, konservieren, vielleicht aber auch vergessen zu können.

 

Das perfekte Buch für den Moment…

 

Einige dieser Momente kenne ich gut. Andere sind mir zugetragen worden. Manche wünsche ich mir. Auf wenige könnte ich verzichten, hätte ich eine Wahl. Hm. Wir haben immer eine Wahl? Das ist nicht einfach. Einfacher ist es, in den Momenten anderer abzutauchen. Ich brauche das. Deswegen ist die Rubrik „Das perfekte Buch für den Moment…“ ein Segen für mich. Ich suche nach gut erzählten Momenten in Buchform, nicht, um sie klassisch zu rezensieren, sondern um sie weiterzugeben. Mein Ziel ist, Menschen zu beschäftigen, so innen drin. Und es ist natürlich sehr befriedigend, wenn diese Menschen am Ende meiner Schilderungen vom plötzlichen Ende überrascht hochschrecken – und fragen:

 

„Ja, und wie geht’s jetzt weiter?“

 

Anhören könnt Ihr die Buchmomente sonntags in der Sendung GRÜNSTREIFEN, später on demand auf dradiowissen.de, und noch etwas später auf meinem Soundcloud-Profil. Auf lydiaherms.de werde ich meine Beitragstexte veröffentlichen. Das, was hörbar ist, soll auch lesbar sein, manchmal ergänzt durch ein Interview,  durch Links, Zitate, Gedanken oder Kommentare von Freunden. Die Rubrik heißt: Buchmoment. Für Lob & Kritik bin ich dankbar.

Für Buchmomente auch.

Lesezeit mit Katze: "Jojo" von Steinunn Sigurðardóttir, rowohlt, 187 Seiten, 19,95 EUR, eBook: 16,99 EUR

Lesezeit mit Katze. „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir, rowohlt, 187 Seiten, 19,95 EUR, eBook: 16,99 EUR

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Funk, Literatur

Hörbar Herms.

Um einen Text für einen Radiobeitrag verfassen zu können, muss ich leiden. Oder anders herum. Es ist tatsächlich so, dass die wenigsten meiner Beiträge einfach so entstehen; sitzen, schreiben, produzieren. Nein, die meisten meiner Beiträge kosten mich viel Kraft und Zeit. Ich verfluche sie, will alles hinschmeißen, einen Job an der Kasse annehmen, um nicht soviel denken zu müssen. Ich vergesse zu essen, zu trinken, zu ruhen.

 

„Es ist alles in meinem Kopf. Ich krieg’s nur nicht raus.“.

 

Die Ursachen dafür müssen wir an anderer Stelle besprechen, werte Herrschaften. Hier möchte ich auf die Produkte dieser kräftezehrenden Angelegenheit hinweisen. Sie machen mich stolz, denn in jedem dieser Beiträge steckt ein bisschen Herms. Sie sind, wie ich bin. Unsachlich, schrullig und bunt. Und sie sind nachhörbar. Vielleicht für immer. Die Liste wird wachsen. Und niemals chronologisch aufgebaut sein. Deshalb schreibe ich das Sendedatum dazu. Betrachten wir es als öffentliches Archiv, als die kleine Hörbar Herms. Viel Spaß beim Hören – und beim Lesen.

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