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Ich habe Freunde, eine Sammlung von Nichts. Ich denke sie mir nicht aus, nicht schön und nicht weg. Ich melde mich nur nicht regelmäßig bei ihnen. Ich lasse sie nicht teilhaben an meinem Leben. Das ist zu klein für alle auf einmal. Ich kann mit mir allein manchmal kaum atmen darin. Sie versuchen, zu verstehen. Sie nicken, lächeln und liken. Und dann sind sie einfach nicht mehr da. Ich vermisse sie. Dieses Gefühl ist beinahe so stark wie das Gefühl zu lieben. Das genügt, um sich ihrer Anwesenheit gewiss zu sein; weit weg, aber da. Wer vermisst, liebt. Wer nicht vermisst, lügt. Ich liebe und lüge. So ist das.

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Ich bin nur. Ich werde nichts. Ich werde nicht reich sein, nicht lieben, nicht verzeihen. Ich werde nicht erwachsen. Ich werde nicht einmal sein. Jetzt ist nur eines definitiv wahr: ich bin. Sie nannten mich Helma, ohne Knack- und ohne Zischlaute. Auch ohne Bezug. Sie ließen mich glauben, ich sei nichts Besonderes, sie ließen mich mitlaufen. Was gekocht wurde, aß ich. Was verboten war, vermied ich. Manchmal schrie ich bis es brannte. Ich erzähle dir, wie ich meine Zukunft verlor und warum ich aufgehört habe, Salz zu vergeuden. Deine ungeteilte Aufmerksamkeit beflügelt und beschämt mich. Ich bin Helma. Nichts sonst.