#FBex, Fundstück

F F F #FBex

07. Dez. 2011

Ich bin durch. FIGARINOS FRÖHLICHES FEST 2011 führte uns (Raschid, André und mich von MDR Figarino) ins Kinderhaus Vitzenburg, in die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Chemnitz und ins Kinderhaus Lindwurm in Apolda. Die Kinder sind zauberhaft, lieb, lustig, dankbar, aber auch angeschlagen und krank. Wusstet ihr, dass viele Kinderheime um die Weihnachtszeit mit Überbelegung zu kämpfen haben?

Sissy Bollow uff  das ja schlimm…. nein, das hätt ich nicht gedacht….

Matthias Gartmann sehr krass und nicht schön!!

 

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#FBex, Fundstück

Wer’s glaubt… #FBex

13. Okt. 2011

Es ist bitter. Als ich Anfang des Jahres Sachsen-Anhalts vermeintlich jüngsten Unternehmer Christoph C. in meiner Heimatstadt Zerbst interviewte, war ich skeptisch, aber zu wenig neugierig. Plopp! Luftnummer, Unternehmensblase, Hochstapelei – wie nun zu lesen ist. Im SPUTNIK Tagesupdate fassen mein Kollege Camillo Schumann und ich die Faktenlage zusammen – ab 18:00 Uhr.

Erik Hölperl hatte mich damals schon gefragt was ich falsch mache, jetzt kann ich ein wenig aufatmen

Lydia Herms Naja, ich bin geknickt

Sven Engel Hatte mich schon gewundert warum renomierte Firmen wie BMW sich von einem 15 Jährigen beraten lassen…

Lydia Herms Grundsätzlich betrachte ich das Alter nicht als Problem. 15jährige haben schon ganz andere Sachen geschaukelt. Dieser hier hat einfach dreist gelogen – oder eine furchtbare Selbstwahrnehmung.

Sven Engel So war das auch nicht gemeint…ich bin mir aber sicher das solch große Firmen sich nicht von Personen beraten lassen die keine bzw kaum Referenzen nachweisen können. Wo soll denn auch die Erfahrung bei diesen Dingen mit 15 Jahren herkommen. In anderen Bereichen wie IT etc könnte ich mir das schon eher vorstellen.. Haben damals schon viel diskutiert über die Sache. Das er auch noch gelogen hat ist natürlich extrem dreist.

Lydia Herms Ja, da gehe ich mit, Sven. Mehr Misstrauen hätte ihm, seinen Kunden und uns, den Medien, einiges erspart.

Erik Eckstein Da hat euch ein Minderjähriger vorgeführt und ihr tut betroffen, als hätte der Intendant GEZ-Gebühren verhurt. Das total ernsthaft zu reflektieren ist jetzt zumindest unerlässlich. 
So geil 

Lydia Herms Ach, Erik, ich reflektiere alle meine Fehler. Ich habe eine persönliche Verbindung zu dieser Geschichte. Sven und ich kommen aus der Stadt, das ist’n kleinerer Kosmos, als Du annimmst. Außerdem: Intendantin.

Erik Eckstein Naja, bin halt nicht gut geupdated. Ernsthaft: Ihr wolltet die Freak-Show, ihr habt sie bekommen. Der privat gefühlte Zerbst-Kosmos hat in ernsthaften Medien doch nix zu suchen und der Fehler bestand darin, sowas ohne Abstand als Thema reinzunehmen un the first place, oder? Dass ein 15jähriger tut wie der große Zampano, ist bestenfalls ABSTRUS WITZIG, doch aber never never never ever eine ernst zu nehmende Story! Und dann… obwohl ich eigentlich keine Ahnung habe, ist mir das in Erinnerung geblieben: „Never talk about your mistakes“. (sorry für das never-massaker

Lydia Herms Ok, gut, dass Du es nochmal so freundlich zusammengefasst hast, ich hatte mich vorher noch nicht doll genug geschämt. Der Trost, mit einer Redaktion im Rücken diesen Fehler begangen zu haben, schmeckt leider auch nicht sonderlich gut. Das Zitat kenne ich nicht, ich finde es gut, wenn man über Fehler spricht, egal wie wichtig oder nichtig.

Lydia Herms P.S. Der Zerbst-Kosmos war für die Berichterstattung nicht relevant, wie Du gehört haben wirst, wenn Du es angehört hast. Ich nahm an, Du meintest die Diskussion zwischen Sven und mir.

Erik Eckstein Neenee, es ging schon mehr um die Sache und darum, dass sie nun zum zweiten Mal mit zweifelhafter Berechtigung Thema war. An dem Zerbst-Schmerz werd ich mich nicht vertun. Warum lacht ihr nicht einfach darüber, was der Junge gemacht hat? Das ist doch eigentlich nicht bitter, sondern eher irgendwie cool! Der kleine Blender hat’s halt raus. Soooo viele Leute wollen was darstellen und machen sich dabei chronisch lächerlich. Er doch scheinbar nicht. Er hat es nur übertrieben und sich erwischen lassen. Früher sindse in Zerbst mit 15 auf der Simson am ABV vorbei und haben gewunken. Heute isses halt anders

Lydia Herms Ja, vielleicht ist es so. Ich kann da nicht drüber lachen, mich wird es ewig wurmen, also, mindest noch 100 Jahre.

Erik Eckstein Ja, das ist doof. Ich wünsch Dir, dass Du es bald vergisst. Ich würd‘ meine „solchen“ Geschichten auch gern mal vergessen

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Das ist Kerry. #FBex

23. Sept. 2011

Das ist Kerry. Ich traf sie heute in Berlin, um ihre Geschichte aufzunehmen. Bin hin- und hergerissen. Muss noch ein bisschen drauf rumkauen. Das Ergebnis ist dann kommende Woche in MEINE ZUKUNFT bei DRadio Wissen zu hören. 

Kerrys Plakat im U-Bahnhof Kochstraße (U6) | Berlin Mitte

Kerrys Plakat im U-Bahnhof Kochstraße (U6) | Berlin Mitte

NACHTRAG:

30. Sept. 2011

„Ich will hier bleiben!“ – findet Kerry Kempton bis zum 10. Okt. keinen Job, wird sie ausgewiesen. Eine von vielen, stimmt, doch nur sie machte mit großformatigen Plakaten in U-Bahnhöfen auf sich aufmerksam. DRadio Wissen sendet(e) heute mein Kerry-Porträt …

17. Nov. 2011

Am Dienstag schrieb Kerry: „Plotzlich nach wochen warten und viele Kämpfen habe ich eine neue Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis. Ich kann das kaum glauben.“. Und am 1.12. beginnt sie zu arbeiten. Als was, muss ich noch erfragen, freue mich so oder so.

PRESSE: taz, migration business

Leider steht mein Radiobeitrag nicht mehr online. Ich plane, ihn auf meinem Soundcloud-Profil online zu stellen.

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#FBex, Fundstück

Mädchenmannschaft! #FBex

19. Sept. 2011

Habe eine Mädchenwoche vor mir, was es die Interviews angeht, u.a. mit Meredith Haaf („Heult doch“) und Judith Luig („Breitbeiner“). Und während der Recherche bin ich auf diesem Blog „hängengeblieben“: Mädchenmannschaft

„Willkommen Feminist_innen und alle, die es werden wollen! Die Mannschaft liebt Feminismus und notiert hier Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen. Unser Blog soll Forum sein und Spielwiese, für alle, die sich eine bessere und gerechte Gesellschaft wünschen. 2008 wurde maedchenmannschaft.net mit dem Deutsche Welle Blog Award BOB als Bestes Deutschsprachiges Weblog ausgezeichnet. 2009 war maedchenmannschaft.net für einen Grimme Online Award und den Alternativen Medienpreis nominiert. 2012 wurde die Mädchenmannschaft neben sieben weiteren Projekten für den Clara-Zetkin-Frauenpreis nominiert. Die Mädchenmannschaft ist darüberhinaus auch offline unterwegs, mit Vorträgen und Workshops, sowie auf Podiumsdiskussionen (zu den aktuellen Terminen).“

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#FBex, Fundstück

Bilder meiner Freundin. #FBex

18. Aug. 2011

Ein kleines lesbares Interview mit Grit Siwonia, die, die es schaffte, mich, wirklich mich zwischen vier Ecken zu bannen, so, als wäre die Zeit stehen geblieben, als würde sich nichts bewegen, nichts stören. TEXT: „Emotionen kann man nicht retuschieren.“

 

NACHTRAG:

© Grit Siwonia | Frühjahr 2011, Berlin Kreuzberg

© Grit Siwonia | Frühjahr 2011, Berlin Kreuzberg

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Allgemein, Drama

Zwischenstand.

Vor knapp drei Wochen beschloss ich, mein Leben zu ändern. Ich litt unter dem Ferienphänomen – und war es leid zu leiden. Bin es noch. Also setzte ich mich auf meinen viel zu unbequemen Schreibtischstuhl an meinen viel zu hohen Schreibtisch und beschloss Dinge für die kommenden Wochen…

„Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

Samuel Beckett

Stuhl und Tisch fliegen raus. Auf  planungsboards.de bestellte ich eine 90×120 cm große Tafel, auf der ich drei Wochen mit einem Blick erfassen und mit Spezialstiften und großen Plänen füllen kann. Ich las Rezensionen von Kunden und Kritikern und wählte die Bücher „Wie ich die Dinge geregelt kriege. Selbstmanagement für den Alltag“ von David Allen und „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon? Zeitmanagement für kreative Chaoten“ von Cordula Nussbaum als Startlektüre. Ich richtete offizielle Kommunikations- und Produktionszeiten ein, akzeptierte nun endgültig die Präsenz des Mac-Kalenders auf meinen Endgeräten, informierte meinen Mann und meine „größten“ Auftraggeber darüber, dass nun bald alles ganz anders sei – und freute mich. So.

 „Ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der oft gerade die besten Menschen scheitern.“

Friedrich Hölderlin

Am 1.9. begann mein neues Leben, vor allem in meinem Kopf. Die Auftraggeber reagierten gelassen und liebenswert, vielleicht war ihnen meine Not nicht gegenwärtig, und mein Verlangen, für kommende Unannehmlichkeiten um Nachsicht zu bitten, nur ein weiterer, kleiner Teil des Problems. Ich bin nicht entspannt. Ich deklarierte Kommunikationszeiten in meiner Email-Signatur, halte sie aber noch nicht ein. Ständig wird mir geschrieben. Von Pressevertretern, von KollegInnen, von dawanda-Shops. Ich benutze seit Jahren nur eine Adresse für alles. Seitdem ich diese Website eingerichtet habe, benutze ich auch eine neue Kontaktadresse, aber am Ende landen alle Emails in einem Postfach. Das ist doof. Das muss ich anders organisieren. Wie genau, weiß ich noch nicht.

Ich hoffe auf die Bücher. Die liegen noch in meiner Packstation, seit zwei Tagen, fünf habe ich also noch, um sie abzuholen. Desweiteren hat die Boardfirma Lieferschwierigkeiten, mein Rettungsbrett hängt irgendwo fest. Vielleicht wird es noch gestanzt und bemalt, von Hand, ohne Lineal. Der Schreibtisch ist nicht mehr zu hoch, seitdem ich eine Fußbank benutze. Die Entscheidung für einen neuen Tisch fällt nicht leicht. Die Auswahl ist groß, das Finanzfeld auch. Ähnlich verhält es sich mit dem Stuhl. Dafür besitze ich jetzt ein neues Mikrofonstativ. Das wiegt eine Tonne und wackelt nicht. Schön.

 „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Bertolt Brecht

Und ich habe einen Termin. In knapp zwei Stunden besichtige ich ein Gemeinschaftsbüro in Berlin-Mitte. Auf dockboerse.com sprang sie mir entgegen, die Anzeige. Anja verlässt die Stadt und geht nach Hamburg. Zurück lässt sie einen tollen Arbeitsplatz und traurige KollegInnen. Für 155 EUR könnte ich das bald haben, inkl. Internet und Telefon, wenn wir uns mögen, und alles passt. Im Büro sitzen weitere Journalisten, Menschen, die wissen, wie ich arbeite, die nicht jeden Tag gemeinsam zweimal warm kochen wollen, sondern produzieren und fristgerecht abliefern müssen. Meine Audiobeiträge produziere ich weiterhin zuhause, in meiner Kammer, bei meinem Mikrofon, vor meinen überirdisch guten Monitorboxen. Für’s Denken muss ich raus. Und für’s Schreiben. Dann freut sich auch meine Steuerberaterin; endlich ein richtiges Büro.

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Helma, Literatur

Nicht, dass ich getrunken hätte, aber ich schlief so schlecht, dass ich mich frage, warum ich nicht einfach durchgemacht habe. Dann ginge es mir besser. ‚Schlecht geschlafen‘ trifft es nicht genau, gebe ich zu. Die Nacht war sehr bereichernd. Immerhin weiß ich jetzt, warum er geht, und ich bleibe. Ich kenne die Gründe für den Verlust. Ich weiß, wer mir Böses wünscht, wann wer mit wem in einem Garten sitzt und über mich lacht. Ich weiß nun ganz viel – tatsächlich aber nichts. Hirngespinste, Wahnvorstellungen, Albträume. Könnte ich einfach zur freundlichen Hausärztin gehen und sie bitten, mir etwas zu geben, damit das aufhört? Vielleicht etwas zum Trinken, wie Tropfen, die man abzählt und verdünnt. Und dann verschlingt. Und wartet. Bis alles verklingt.

007

Zitat
Allgemein, Menschen

WM vs. Krieg?

The Guardian postete eine Bildergalerie von sehr traurigen Brasilianern. Zuerst fand ich das hochgradig bescheuert. Auch vermessen. Grundsätzlich übertrieben. Dann las ich die Kommentare anderer, und Tweets, z.B. einen von der Politikerin und Autorin Marina Weisband. Und es ratterte.

 

 

Wollte es abnicken, „Ja, genau. Wie kann man nur!?“, so. Aber diese „Ereignisse“ miteinander zu vergleichen, ist nicht gut. Das würde bedeuten, dass die Menschheit sich gar nicht mehr mit Banalitäten wie Fußball beschäftigen dürfte. Oder Rummel. Oder Kindergeburtstag. Sie dürfte nicht feiern, nicht tanzen. Es wäre immer vermessen. Es gibt immer jemanden, der leidet, der vergewaltigt, vertrieben, erschossen wird, tausende Kilometer entfernt, zwei Häuser weiter. Das hört nicht auf. Könnte eine Menschheit Selbstmord begehen, wir sollten es tun. Wir sind nicht zu retten. Wir vergiften die Natur, wir quälen Tiere – und wir hassen uns gegenseitig.

Ich sah kein einziges WM-Spiel komplett. Ich hatte weder Lust, noch Zeit. Die Ereignisse in Brasilien, vor den Spielen, hatten mir zudem den Geschmack am Jubeln verdorben. Vom Spiel gegen Brasilien hörte ich das Gebrüll der Nachbarn, und das Geböller auf den Straßen in meinem Kiez, dann, wenn ein Tor gefallen war. Da permanent gebrüllt und geböllert wurde, ging ich davon aus, dass es viele Tore sind, die fielen. An anderen Tagen schrieb mir mein Bruder, wie es stand. Oder ich hörte es im Radio.

Die Menschen freu(t)en sich. Das ist gut. Das heißt nicht automatisch, dass es ihnen egal ist, was gerade in Israel passiert. Wenn ich auf ein Konzert gehe, da ein bisschen tanze und selig vor mich hinflenne, dann denke auch ich nicht an die Bomben, die andernorts fallen. Und wenn doch, verlasse ich nicht betreten das Konzert. Und dennoch bin ich informiert, interessiert. Es ist mir nicht egal. Und wenn die Brasilianer die Niederlage ihrer Mannschaft beweinen, heißt das nicht, dass sie die schlimmer finden, als beispielsweise Krieg. Das hoffe ich zumindest.

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Allgemein, Menschen

Spielen wollen wir!

„Verdammt, das gibt’s schon.“ – Mein erster Gedanke, als ich im App Store nach einer Spielplatz-App suchte. Wär‘ ja auch zu schön (und schlimm) gewesen, wenn ich als Nichtmutter als erste darauf gekommen wäre. Ich hätte sie gebaut, die App. Keine Ahnung, wie, aber ich hätte sie gebaut!

Seit ein paar Monaten beschäftigen sie mich, diese sandigen Fantasiebiotope, in denen Stinkewesen, Rostritter und Popelesser nach Zaubersand buddeln. Seitdem ich regelmäßig unregelmäßig in Begleitung eines kleinen Jungen und eines großen Mannes genau diese Plätze aufsuche, bin ich auf der Suche nach den schönsten. Doch die Auswahl ist groß, hier in Berlin. Manche Spielplätze enttäuschten mich: schmutzig, langweilig, oll. Andere ließen mich 25 Jahre jünger sein: aufregend, gemütlich, hell. Und trotzdem ist es manchmal schwer, sie wiederzufinden …

 

„Ich möchte zum großen Turm, Papa.“

 

„Da kann man sogar Bilder hochladen!“ – Mein zweiter Gedanke, nachdem ich die SpielpatzApp* von Bernd Burhoff und Sabine Lindner heruntergeladen und inspiziert hatte. Ich muss sie gar nicht mehr bauen, die perfekte Spielplatz-App, es gibt sie bereits!

Bundesweit, ja, sogar weltweit können alle Nutzer dieser App ein Spielplatz-Netz anlegen, mit Fotos, Beschreibungen und Bewertungen. Man kann seine Favoriten markieren und Verabredungen per SMS organisieren. Man kann innerhalb eines bestimmten Radius‘ suchen, aber auch nach Spielgeräten wie „Reckstange“, oder nach Bewertungen wie „super“. Ich gestehe, mir bereitet nicht nur das Toben vor Ort große Freude, sondern auch das Fotografieren, Anlegen und Beschreiben der Plätze in der App. Die entstand im Rahmen eines Wettbewerbs – und kostet nichts.

 

Links:
www.spielplatzapp.de
www.kittyheider.de

 

*Die App gibt es nur für iPhone und iPad.

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Literatur, Textstelle

Nennen wir es Liebe.

[…] Ich betrachtete sie zwei Stunden lang und betete zu Gott (das einzige Mal in meinem Leben), dass ich sie wie ein Mensch lieben könnte, nicht wie dieser Roboter, der ich bin, wissend, dass ich nicht erhört werden würde. Trotzdem lag ich diesem Gott weiterhin in den Ohren, denn ich wusste haargenau, dass ich hier und jetzt das Wunderschönste in meinem Leben erlebte, das war kein Vorschuss auf ein Glück, sondern schlicht und ergreifend der Höhepunkt meiner Seligkeit, und entsprechend selig saß ich zwei Stunden lang da und blickte auf meine schlafende Frau (denn sie war von dem Moment an meine Frau, als sich ihr Haar an ihrem Hals in das Pfötchen einer Schmusekatze verwandelte), und ich liebte sie von ganzem Herzen mit meinen Augen. […]

Martin Montag in „Jojo“ von Steinunn Sigurðardóttir (Rowohlt)

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